
MEMBARIS legen auf „Into Nevermore“ mit rasantem, exzellent geprügelten Eisstahl in der Machart von ENDSTILLE los, stürzen sich jedoch alsbald in makaber verzweifelten Suizidsound der getragenen Sorte – abartiges Geraune inklusive. Zudem kommen im Laufe der knappen Stunde Tonkunst noch eine ganze Reihe sehr eigener Melodien auf, mit denen MEMBARIS eine pestilente Duftmarke zu setzen vermögen.
MEMBARIS sind roh und puristisch, aber technisch absolut bemerkenswert, vor allem aber ganz schön abwechslungsreich. Das hübsche Booklet mit wurmstichigem Holz und die atmosphärisch dichte Musik fügen sich zu einem überzeugenden Manifest schwarzmetallischer Seelenpein.
Dabei gibt es aber auch genügend Merkmale, an denen man sich reiben kann – manche Melodie ist fast schon penetrant abwegig; die teilweise deutschsprachigen Lyrics triefen vor Natur-Romantik, deren Kombination mit düster-emotionalen Themen in diesem Genre zwar beileibe nicht neu ist, die aber hier doch manchmal irritieren. Genau diese Seltsamheiten machen „Into Nevermore“ aber um so mehr zu einem kleinen Highlight innovativen Underground-Black Metals, das in Erinnerung bleiben wird.
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Es gibt ihn noch: guten Underground Black Metal aus Deutschland! Zumindest gibt es bei MEMBARIS nicht viel zu meckern, denn „Into Nevermore“ überzeugte mich von Beginn an. Den Sound der Truppe zeichnet ein extrem bulliges Auftreten mit dichter Gitarrenwand und schnellem Schlagwerk aus. Dass es beim „Knüppel aus dem Sack“ allein nicht bleibt, ist ihrer kompositorischen Stärke zu verdanken, durch die MEMBARIS eine Energie in die Musik legen, die Langeweile undenkbar macht. Spielfreude, Leidenschaft und Ernsthaftigkeit ergänzen sich auf „Into Nevermore“ gut und erschaffen einen interessant-markanten Klang, der spüren lässt, dass MEMBARIS einen gewissen Anspruch an sich selbst stellen. Dem Sänger müssen irgendwelche Teile der Stimmbänder fehlen. Ein solch dünnes, heiser-kehliges Stimmchen kann jedenfalls nicht gesund sein, bietet aber einen netten Kontrast zur sonstigen, mächtigen Instrumentierung. Einen letzten Feinschliff, eine Kirsche oben auf dem Eis mit Sahne quasi, hätten vielleicht die einen oder anderen „Hits“ gegeben, die einfach hängen bleiben.
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Sie haben es wirklich drauf. Bereits seit dem ersten Demo von MEMBARIS ist es mir vergönnt, diese Band auf ihren musikalischen Wegen zu begleiten und man kann wirklich feststellen: sie steigern sich immer wieder! Und wenn man in Betracht zieht, dass die Band selber mit dem jetzigen Zweitwerk gar nicht mehr wirklich zufrieden ist, dann möchte ich gar nicht wissen, wo das alles noch enden soll!
Nach dem langen Kampf gegen das ehemalige Label ist es der Truppe also tatsächlich gelungen "Into Nevermore" zu veröffentlichen! Und als würde man sich der ganzen Wut entledigen wollen, hat man in Punkto Aggressivität gleich noch einmal ein ordentliches Schippchen Raserei und Chaos drauf gelegt. Denn lediglich ein kurzes Intro leitet diese Scheibe ein und BUMS! geht es direkt mit "Winter Night" und einem feinen Blast Beat zur Sache. Bereits hier wird die immer noch vorhandene Vorliebe für den Norden wieder deutlich, denn MEMBARIS sind einige der wenigen mir bekannten Bands, die es so perfekt schaffen die norwegische Melancholie mit der schwedischen Raserei zu paaren.
Dennoch muss hier niemand Angst vor Riffrecycling haben, denn trotz der teils offensichtlichen Inspiration, wird hier nicht stumpf geklaut, sondern sich schön ein eigenes Süppchen daraus gekocht. Besonders gut gefällt mir in diesem Zusammenhang auch der Gesang von Kraal, der über ein schön kratziges Organ verfügt und bei gelegentlichem Klargesang auch mal von Drummer Obscurus begleitet wird. Die Band beschreitet dabei konsequent den Weg des reinen Black Metals und verzichtet fast durchgehend auf genrefremde Einflüsse, die, in Form von Death Metal, noch die ein oder andere Sekunde auf den Vorgängern zu vernehmen waren. Davon ist auf diesem Album allerdings überhaupt nichts mehr zu spüren, was sicherlich auch an der schwarzmetallischen Produktion liegt. Diese kommt nun um einiges kratziger daher, gleitet aber nicht in soundtechnischer Dilettanz ab, sondern verwöhnt meine Ohren genau so, wie sie von einer Black-Metal-Band verwöhnt werden wollen: kratzig, dennoch druckvoll, klar, aber nicht zu sauber!
So zeigen MEMBARIS auch mit ihrem zweiten Album, dass deutscher Black Metal auch gänzlich ohne dummes Gelaber, affige Poserei oder sonstiges auskommen , sondern zur Abwechslung auch mal einfach nur mit sehr guter Musik überzeugen kann! An diesem Album gibt es eigentlich so gut wie nichts zu meckern und allein für die göttliche ULVERreminiszenz hätte das Album mindestens neun, wenn nicht sogar die volle Punktzahl verdient. Warum ich aber dennoch "nur" acht Punkte gebe, liegt ganz einfach daran, dass ich der Band noch weitere Steigerungen zutraue und bei zehn hört unsere Skala ja leider auf! Also, acht Punkte, die sich durchaus wie neun anfühlen und die Gewissheit, dass mich Membaris erneut nicht enttäuscht haben!
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Alle Achtung. Was diese drei deutschen Schwarzseelen hier aufbieten, lässt die Herzen aller Qualitätsfanatiker im Black Metal-Bereich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um einiges schneller schlagen. Im Oktober 1999 gegründet, überzeugen Membaris auf ihrem zweiten Studioalbum "Into Nevermore" nun mit riesengroßer Spielkultur und wohl noch größerem Selbstwertgefühl, wie jederzeit herauszuhören ist. Eigentlich hätte Black Attakk diesen erlesenen Donnerknaller schon vor längerer Zeit auf den Markt ballern sollen, doch endlose Verzögerungen ließen den Veröffentlichungsprozess leider ins Stocken kommen. Das neue Label Articaz nahm sich nun endlich ein Herz und ließ das ausgesprochene Klasseteil von der mittlerweile bis zum Zerreißen gespannten Künstlerkette. Bereits das Vorgängerwerk, der 2004er Langspieler "Poetry Of Chaos", konnte auf weiten Strecken begeistern mit einer ureigenen Mischung aus Hass, Härte und Anmut. Und Kreischmeister und Tieftoner Kraal, Saitenschänder Boreas sowie Schlagzeuger Obscurus, welcher hier auch für all die herrlichen Tastenarrangements verantwortlich zeichnet, üben ihr brachiales Handwerk noch immer mit aller denkbaren Hingabe aus. Und die ist wirklich riesig. Und zudem selten geworden im deutschen Black Metal, welcher sich mittlerweile überwiegend ja nur noch im gegenseitigem Abkupfern und immer noch extremer werden definiert. Membaris machen da eine überaus wohltuende Ausnahme. Der verdammt diabolisch agierende Dreier versteht es zudem, haufenweise niveauvolle kompositorische Akzente überaus emotionaler Klangnatur zwischen die harschen Stromgitarrenorgien zu setzen. In adäquater Koalition mit (zu)packend perfiden Melodiken entstanden neun tonnenschwere, spitzenmäßig auslegierte Schwarzstahlblöcke.
Neun gleichfalls restlos durchdachte als auch durch und durch hochdynamische Ausnahmekompositionen, wie sie erhabene Genre-Kommandos wie beispielsweise frühe Naglfar (Bissigkeit) oder auch Dark Fortress (Ästhetik) einst zu kreieren imstande waren. Auch eine dezente Prise der rigiden Hassklänge von den schwedischen Altmeistern Setherial ist oft zu vernehmen. Skandinavische Vorgaben setzt das Trio also meisterhaft in Einklang mit entfesselten Raserei-Orgien und melancholischen Passagen, wie man es in dieser Mischung oft von französischen Truppen zu hören bekommt. Das tapfer beständige Trio mit der alles zermalmenden Akustik im giftigen Handgepäck hat eindeutig die eher schnellere Art des Musizierens für sich ausgewählt und somit das scheinbar einzig Richtige für sich getan. In den oberen Geschwindigkeitsbereichen können sich die superben Hammerstücke von Membaris nämlich auch am besten entfalten, da so ihre ausufernde Wirkung am besten zum Tragen kommt. Die enthaltenen sechs Songs sind alle mit routiniertem Schlagzeugspiel der oberen Eliteklasse versehen. Die Kerle spielen wirklich mit enormer Klasse jederzeit voll auf den Punkt und haben auch beim Songwriting ihre Hausaufgaben brav gemacht. Immer wieder durch brauchbare Breaks aufgelockert, sind die enthaltenen Songmonster alles andere als eintönig. Gerade die Rhythmusgitarre rifft ungemein und kann sich immer wieder genussvoll in den Vordergrund spielen. Die Stücke gehen meistens sofort ins Ohr und dann unweigerlich in die Nackenmuskeln, die man mit dieser Killerplatte gar sportlich trainieren kann. Unheimlich fit an den Instrumenten und enorm aufeinander eingespielt gehen Membaris ans zuweilen progressive Werk und haben mich mit ihrem aktuellen Werk überzeugt. Auch die für eine Untergrund-Veröffentlichung erstaunlich gute Produktion kann meine verwöhnten Ohren erfreuen.
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Die tiefschwarze und bald undurchsichtige Wolke des Black Metals verdunkelt immer stärker den metallischen Himmel. Leider schaffen es immer weniger Bands auf diesem Sektor sich aus diesem Dunstkreis zu lösen und wahre, teuflische Eigenständigkeit zu beweisen. Doch eine Band kann mich wieder einmal voll und ganz überzeugen: MEMBARIS! Mit ihrem Zweitlingswerk "Into Nevermore", mit welchem die Band übrigens nicht so recht zufrieden ist, haben sie sich erneut gesteigert und zeigen eindringlich ihre Lernfähigkeit. Also ich frage mich, in welche schwarzen Abgründe werden uns die Limburger noch treiben wenn sie mit dieser pechschwarzen Hochleistung noch nicht gänzlich zufrieden sind?!?!? *zitter*
Aggression - das ist wohl eines der Hauptschlagwörter die dieses Teufelswerk ausmachen! Doch wen wundert es. Hat das Trio doch einen beinharten Kampf mit ihrem ehemaligen Label ausfechten müssen, welches absolut nichts unternahm um "Into Nevermore" zu veröffentlichen. Ist ja immer wieder schön, wenn man sich etwas verlassen kann. Das in solch einem Fall bestialische Wut in einem aufstaut, wird wohl jeder nachvollziehen können und genau diese Wut transportiert MEMBARIS ohne Umwege in ihre Songs.
Ein minimalistisch gehaltenes Intro leitet den Hassbrocken ein um dann gleich anarchistisch und stürmisch in "Winter Night" überzugehen. Warum sollte man sich auch mit langen Spielereien aufhalten wenn man gleich die volle Keule auspacken kann?!?! Eines gleich vorweg. Hat man auf dem Vorgänger noch vereinzelte Fremdeinflüsse vernommen, so taucht man hier gänzlich in den schwarzen Sumpf ab - ohne Schnörkel und Spielereien! Der Opener watet mit einem angenehmen, nicht penetranten Blast Beat auf und zeigt von der ersten Sekunde an deutlich, dass hier Skandinavien Modell gestanden hat. Die deutsche Formation paart gekonnt norwegische Atmosphäre und Düsternis mit schwedischer Raserei ohne dabei einfach nur billig abzukupfern! Endsgeil und ein Muss für jeden Schwarzwurzler! Da sagt noch mal einer der deutsche Black Metal Underground dümple vor sich hin und bringe nur Ein-Mann-Projekte hervor die nichts taugen! (Gell liebster Mark?!?! *g*) Gesangstechnisch krächzt sich Kraal hier fies und hinterhältig durch die 9 Songs und wird nur beim vereinzelt eingesetzten Klargesang von Kesselschlächter Obscurus unterstützt. Die schwarze Aura des Albums wird gekonnt durch die raue, kratzige Produktion untermalt und bringt "Into Nevermore" einen weiteren Pluspunkt ein.
Poser waren gestern - MEMBARIS sind heute! Das zweite Album der Band zeigt ohne Umschweife, dass guter, deutscher Black Metal noch lange nicht tot ist, auch wenn sich Bands wie Lunar Aurora auflösen. Ich habe an diesem Album nichts auszusetzen und kann nur würdevoll den Hut ziehen und den Jungs danken, so ein Prachwerk zu uns gebracht zu haben. Hier gibt es Black Metal wie er klingen sollte und vor allem klingen muss! Auch das Konzert am 30.06.2007 in Hamburg hat diesen Eindruck eindrucksvoll dargelegt! Macht weiter so und bekommt das nächste Mal die volle Punktzahl! Wäre ja hier schon langweilig...aber ihr hättet auch die 10 Punkte eindeutig verdient!
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"Into Nevermore" is one of those albums that are really important in the band's history/discography. It is a border and a bridge to new dimensions of sound. More or less, 2nd albums are the most important for bands after their debuts. Especially when the 1st output was a good and promising one.
"Into Nevermore" differs from "Poetry of Chaos" and the main diversity is that the songs now are more dynamic and fluid so one can listen the whole album without resting. This time the melodies are more direct and monumental and there are some keyboards in the background. Keys actually appear just from time to time, but they're very important. Mostly the music is very aggressive and brutal, but suddenly Membaris are able to jump into other dimensions of sound with slower tempo and even acoustic guitars which is really worth hearing. The culmination on "Into Nevermore" is placed in the track called "Red Rain (Bleeding Sky)", which is actually the longest song on this work. "Red Rain" has some strong and melancholic riffs. On this track one can hear many variations, from the fastest black metal, to slow, acoustic parts. Hence "Red Rain" is the most representative composition on the whole album. Also "Winter Night", the opening song, is really good with its aggressive melodies and so the case it is with the 2nd composition entitled "Shades".
Talking about the production I can only notice that this is the kind of production that suits well for this sort of bands. It is not too raw, so that it is possible to filter all instruments. The vocals are interesting, not so usual, and they remain me a little to old Abigor (not that they are the same, but the dark-like atmosphere that they create is really grim). By the way, the strangest delivering of vocals you can hear on the 8th track "Als der Himmel sich öffnete". Voices on this are a mixture between clear, scream and even death metal kind of vocals. The cover and the whole visual concept appears quite strange, unique and somehow mystical! Coeval it is traditional, but with modern solutions. Never the less, it reflects emotional aspects of this work-so it is deeply connected with the music and lyrics. After all, the lyrics are a story for itself. They are mainly connected with the authors views wrapped in different kind of emotions and feelings.
So, all in all "Into Nevermore" is a complete opus full of good and interesting ideas and compositions. On one hand it celebrates the classical spirit of BM, but on the other side this album has something specific: It seems that the emotional state of mind of the composers has strongly influenced "Into Nevermore": A natural musical step, a bridge to other still unknown emotional and musical dimensions...
8,5/10 Marko Miranovic
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Aus Limburg kannte ich bis jetzt nur den stark duftenden Käse... doch nicht alles aus dieser Stadt riecht miefig: es lohnt sich nämlich wirklich, das Klangwerk Into Nevermore genauer unter die akustische Lupe zu nehmen. Beim ersten Kontakt wirkt die Musik von MEMBARIS recht räudig, äußerst rasant und teilweise chaotisch. Doch mit jedem neuen Durchlauf offenbaren sich die vielschichtige Klasse und Liebe zum Detail Stück für Stück.
Schon das eröffnende Winter Night gefällt mir durch seinen Einfallsreichtum. Da wäre zuerst die über weite Strecken infernalisch kreischende Stimme zu nennen, die aber zur Verstärkung der Atmosphäre auch mal im Flüsterton eingesetzt wird oder hin und wieder Death Metal mäßig klingt. Hinzu kommen schnelle Nackenbrecherriffs, überraschende Stimmungs- und Taktwechsel sowie ständige Variationen der Spielgeschwindigkeit. Die untermalenden Keyboards passen auch recht gut ins Klangbild.
Auch im weiteren Verlauf von Into Nevermore schaffen es MEMBARIS, eine mitreißend dichte Stimmung zu erzeugen. Besonders gut steht den Liedern der oftmalige Einbau von mittelschnellen Passagen zu Gesicht, die die dominierenden Hochgeschwindigkeitsattacken auflockern und kontrastieren.
MEMBARIS erfüllen meiner Meinung nach drei wichtige Kriterien: sie unterhalten, fordern und überraschen. Dieses Black Metal Erlebnis mit komplexen Zügen zaubert ein hämisches Grinsen auf mein Gesicht und lässt mich gespannt auf die Weiterführung der Trilogie namens Event Horizon erwarten. Der vorliegende und äußerst gelungene erste Teil Into Nevermore weckt Heißhunger auf mehr. Und: es gibt bei dieser Besprechung auch kein „aber“, denn MEMBARIS zeigen bis zum instrumentalen Schlusspunkt Sturm keinen Schwachpunkt, nur Höhepunkte - Punkt!
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Es gibt Tage, ganz gewöhnliche Tage, an welchen man weiss, noch bevor man den ersten Schritt getan hat, ob sie erfolgreich verlaufen, oder ob sie in einem bösen Debakel enden. Dieses Gefühl stellt sich ab und an auch bei dem Erwerb von Tonträgern ein. Noch bevor die Scheibe auch nur eine Rotation getan hat, lässt sich weissagen oder der Silberling ein Glückstreffer war oder ob er im CD-Regal verstauben wird. Bei "Into Nevermore" hätte ich zuvor, ohne einen einzigen Probedurchlauf schon mein Urteil fällen können: Dieses Werk muss ein sehr starkes sein!
Selbstverständlich kann ich keine Kritik schreiben ohne das Album je gehört zu haben, letztendlich haben die Stunden vor der Stereo-Anlage meine Vermutung jedoch bestätigt. Membaris haben mit "Into Nevermore" ein Schaffenswerk mit vielen Facetten und interessanten Merkmalen kreiert, das mit einer durchdringenden Atmosphäre zu packen und überzeugen weiss. Besonders andere Truppen aus dem deutschsprachigem Raum wie Abigor oder Todtgelichter, scheinen es denn Hessen angetan zu haben. Von einem direkten Einfluss kann trotzdem nicht die Rede sein, vielmehr sollte man diese Veröffentlichung als eine beherzte Neuinterpretation alter Ansätze ansehen. Dabei greifen Membaris auf so ziemlich alle Gerne-typischen Möglichkeiten zurück. Von gepflegten Prügelorgien über eher modernes Stakkato-Riffing bis hin zu zeitlosen, ergreifenden Melodien, alles was auch nur ansatzweise kompatibel zu schwarzem Stahl ist, hat den Weg auf dieses Werk gefunden. Sich keine Grenzen zu setzen ist an sich ein löblicher Vorsatz, die Erfahrung zeigt jedoch, dass diese Idee oft in die Hose geht, wenn die Schöpfer der Klänge ihren roten Faden durch das Wirrwarr aus den Augen verlieren. Und hier wurzelt meine Begeisterung für dieses Album: Wie bei einem Mosaik scheinen alle Teile zusammen zu passen, miteinander zu harmonieren, um auf diese Weise ein sehr abwechslungsreiches, sehr atmosphärisches, sehr packendes Stück Schwarzmetall zu formen.
Wenn ich für "Into Nevermore" eine Bilanz erstellen müsste, mit einer positiven sowie negativen Seite, dann würden auf der Plus-Hälfte 20, 30 Posten aufgeführt werden, die Gegenseite würde dafür wohl leer bleiben. Warum gibt es dann, wenn doch alles stimmt, nicht 12 oder sogar 13 Punkte? Wie so oft ist es der letzte Feinschliff der fehlt. Die Produktion könnte beispielsweise ein wenig kraftvoller sein. Die Texte wirken auf mich nicht wirklich durchdacht, hier hätte man sich ebenfalls mehr engagieren können. Es haben sich ein paar uninspirierte und belanglose Passagen eingeschlichen. Im Prinzip sind das Kleinigkeiten oder Dinge, die man nicht verlangen kann, trotzdem sind und bleiben es Hürden.
Alles in allem ist und bleibt "Into Nevermore" jedoch ein sehr, sehr gutes Album, das jedem Anhänger guten Black Metals gefallen wird.
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Gelitten haben im Black Metal sicherlich schon einige Dutzend Bands, ein Großteil fanden im wahnsinnig machenden Unvermögen ihrer Plattenfirmen den Grund zu blinder Wut und Verzweiflung, bekanntermaßen tritt irgendwann auch die Zerreißprobe in den Alltag ein, man schiebt sich untereinander den schwarzen Peter zu, kann sich im schlimmsten Fall sogar nicht mehr ausstehen und geht fortan getrennte Wege - Machtlosigkeit zerfrisst Seelen. Davon kann diese Horde wahrscheinlich mehr als nur ein Lied singen: Wer die Leidensgeschichte des Trios mitverfolgt hat, wird es zumindest für das aufgebrachte Durchhaltevermögen respektieren, hoffentlich hören aber mindestens genauso viele den Grund, warum ich hier großartig Tamtam mache, heraus.
Das Zweitwerk von Membaris ist nämlich ungefähr so tight wie zu eng geschnittene Reiterhosen. Der Vergleich mag zwar jetzt kein Idealer sein, aber ich könnte schwören, in den letzten Monaten nicht eine dermaßen perfekt aufeinander abgestimmte Platte bewusst vernommen zu haben. Wie viel Zeit dafür im Proberaum verbracht werden musste, wissen wahrscheinlich die drei Jungs genauso wenig wie ich, Fakt ist: Es müssen verdammt viele Tage gewesen sein. Selbst in den kompliziertesten, wahnsinnig schnellen Passagen spielen Membaris, als ob sie ihr Handwerk seit Jahrtausenden beherrschen - da kann so mancher "Altmeister" gerne ein zweites Mal hinhören. Aber eben nicht nur die exzellente Darbietung, sondern auch das Material selbst zeugt von einer unbändigen Spiellust und Frische, wie sie dieses Genre so bitter nötig hat: Obwohl "Into Nevermore" fast ausschließlich von schwedischen Einflüssen lebt, legen Stücke á la "Winter Night" oder das bis ins kleinste Detail durchdachte "Red Rain" ein Niveau vor, das Atem und Blick auf das Nötigste runter reduziert, um dem Gehör die volle Konzentration zu gewährleisten. Was da an nachvollziehbar angeordneten und wunderbar miteinander verknüpften Breaks, melodischen Einschüben, Vollgas-Momenten, nachdenklichen Mid-Tempo-Parts sowie vieles weitere mehr zusammen kommt, kann ich beim besten Willen nicht einzeln ausführen. Es bleibt einmal mehr jedem selbst überlassen, sich dieses Werk in seiner vor Feinheiten strotzenden Gesamtheit reinzuziehen, zu verstehen und die Scheibe - wenn möglich - in Dauerrotation zu halten.
Mit "Into Nevermore" haben Membaris eine Platte geschaffen, die man immer wieder gerne auflegt. Ohne jegliche Ausfälle oder Tendenzen zu qualitativem Abfall wird hier gewütet, was die Äxte, Felle und Stimmbänder hergeben. Am besten, ihr setzt euch gleich mit der Band (oder wahlweise ihrem Label) in Verbindung, um stolzer Besitzer dieses Juwels zu werden, denn wenn der Band nicht heute die verdiente Aufmerksamkeit zuteil wird, wann dann?
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Dozens of bands in Black Metal surely have suffered within the last years, a big part of them finding their reason to moan and rage in the sheer inability of their record labels, the crucial test - as is known - enters the scene, everybody tries to pass the buck among each other, doesn't come along with their collegues in the worst case and henceforth goes seperate ways with each other - powerlessness eats away souls. This horde probably can probably sing more than just one song thereof: Anyone who is known to the trail of tears of this band, will at least respect them for their mustered staying power but hopefully do at least as many sound out why I make so much propaganda for this record here.
The second album of Membaris is approximately as thight as too close-cropped jockey pants. This comparison may not be the most ideal one, but I can swear that I haven't listened consciously to such a perfectly harmonising disc since months. How much time it must have taken to come up with such a result? The band probably doesn't know it as much as I do but fact is that it must have been quite some days. Even in the most complicated, insanely fast passages, Membaris play like they do their stuff since ages now - some "doyens" can easily have a second run through the record. But not only the excellent performance, also the material itself shows an overwhelming delight in playing and freshness that this genre is in absolute need of: Although "Into Nevermore" lives on Swedish influences almost solely, tracks like "Winter Night" or the right down to the last detail subtle "Red Rain" put such a level forward which let breath and sight reduce to the absolute minimum in order to secure the highest concentration for the hearing. By any stretch of the imagination, I cannot give a detailed description of all the comprehensibly arranged and wonderfully combined breaks, melodic insertions, full throttle moments, melancholic mid tempo parts as well as much, much more elements which come up here. It's once again up to everybody out here to suck up, to understand and - if possible - to keep this opus on heavy rotation - in all its entirety full of subtieties.
With "Into Nevermore", Membaris have created a record to which one willingly listens over and over again. Without any flaws or qualitative declines, they rage what the axes, skins and vocal chords can bear. It would the best to contact the band (or their label if you like) right now to be a proud owner of this jewel because: If the band doesn't get the attention they deserve today, when then?
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Die Black Metaller aus Limburg sind ein weiteres Opfer des Zugrundegehens von Black Attakk. So lag der erste Teil einer geplante Triologie fast zwei Jahre auf Eis, bevor sich das neue Label ARTicaz der deutschen Schwarzkittel annahm und nun endlich „Into Nevermore“ auf die Schwarzmetaller losgelassen hat.
Und das ist auch mehr als gut so, haben MEMBARIS mit diesem Werk doch ein richtig fettes Teil abgeliefert - deutlich vom nordischen Black Metal beeinflusst. Dabei nehmen sie sowohl die pure Raserei der schwedischen Vertreter und die düsterere Ausrichtung der Norweger und verarbeiten dies zu einer gut ausgewogenen Mischung aus Brutaltät und Atmosphäre. Da wird natürlich deutlich aufs Gaspedal gedrückt, aber auch genug Raum gelassen, dass sich Boreas nicht nur bei den geradlinig kalten Riffings, sondern auch im Lead-Bereich und im Schlepptempo beweisen kann. Ein weiteres herausragendes Merkmal ist die genial-krasse Stimme von Basser Kraal, welcher mit seinem kratzigen Organ perfekt zum MEMBARIS-Sound passt und vom phasenweise einfliessenen cleanen Gesang des Drummers Obsucurus optimal ergänzt wird. Der Sound an sich ist auch recht angemessen ausgefallen. So knallt die Produktion zwar nicht ohne Ende, aber kommt sehr amtlich rüber und ist dennoch kalt genug, ohne dabei zu schrebbelig zu klingen. Dazu kommen die Synth-Passagen hintergründig sehr gut zu Geltung und werden erfreulicherweise nicht zu dominant.
MEMBARIS haben bereits mit ihrem zweiten Album eine mächtige Duftmarke in der deutschen Black Metal-Landschaft hinterlassen und sind bereits dabei den Nachfolger einzutützen. Da bleibt nur zu hoffen, dass dieser nicht wieder so lange auf sich warten lässt.
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Der Sitz von Visions Underground liegt in Limburg, am Rande eines beschaulichen hessischen Mittelgebirges, dem Taunus. Und ganz hier aus der Nähe kommen auch die Black Metaller von Membaris, die ich schon seit einigen Jahren kenne und praktisch fast den kompletten Werdegang der Band zumindest am Rande miterleben durfte.
Nun dies soll wahrlich kein Garant dafür sein, der Membaris irgendwelche Bonuspunkte einbringen wird – im Gegenteil: Da ich schon damals das erste Demo „When Darkness Reigns“ ( 2002 ) ziemlich gut kannte und auch die darauf folgende Steigerung mit „ Poetry Of Chaos“ ( 2004 ) auch auf einigen Live Gigs miterlebte, nachdem ich das Album bis zum Abwinken gehört hatte, steht nun mit „Into Nevermore“ das erste offizielle Album in den Verkaufsregalen, das über das Undergroundlabel ARTicaz vertrieben und supportet wird. Eine Unterstützungsmaßnahme, die sich die Jungs aber auch redlich verdient haben denn einfach nur unermüdlich haben Membaris in den letzten Jahren auf ihre Instrumente eingedroschen und keine Chance ausgelassen live zu spielen, um sich dem Publikum zu präsentieren. Der Rest der noch übrig bleibenden Zeit wurde, wie sollte es auch anders sein, im Proberaum verbracht und es wurde fleißig an neuem Material gearbeitet. Und nun scheinen Membaris die Früchte für die harte Knochenarbeit aus der Vergangenheit zu ernten, denn mit „Into Nevermore“ haben sie ein Album unter die Leute geschmissen, das kompromisslosen Black Metal der Extraklasse bietet. Hier gibt’s das volle Programm, anfangen von schnellen Blast beats bis hin zu atmosphärischen Teilen in den Songs, die einem die Kälteschauer über den Rücken jagen lassen. Dazu gesellen sich die überaus brachialen Vocals von Frontman Kraal, der keinesfalls mit anderen Sängern aus dem Genre zu vergleichen ist, sondern seine ganz eigene Note in die Kompositionen von Membaris mit einbringt und so für großen Wiedererkennungswert sorgt. Wenn man sich mit Membaris genau auseinandersetzt, so stellt man schon nach mehrmaligen Durchläufen von „Into Nevermore“ die gegebene Eigenständigkeit und das noch längst nicht ausgeschöpfte Potential der Band fest. Vor allem die Abwechslung innerhalb der Songs gefällt mir sehr gut. Hier gehen ultraschnelle, aggressive Parts in einem großen Bogen in schleppende und tierisch groovende Parts über und diese Arrangements zeigen Membaris komplett verteilt über die volle Spielzeit von „Into Nevermore“. Respekt !! Zu Beginn des Rundlings gibt’s mit „Winter Night“ schon mal ordentlich auf die Fresse und Mr. Kraal, der sich gleichzeitig noch für den Tieftöner verantwortlich zeigt, krächzt sich die Seele aus dem Leib bevor Membaris dann die von mir angesprochene Abwechslung in ihre Songstrukturen mit integrieren und zum heftigen Bangen einladen.
Dieser rote Faden zieht sich ausnahmslos durch jeden Song und auch die Gitarrenfront weiß mit geschicktem und filigranem Spiel positive Akzente zu setzen. Die überwiegend in Englisch gehaltenen Lyrics verbreiten, passend zur Musik, eine düstere und bedrohlich wirkende Stimmung. Lediglich die drei deutschen Texte hätte man sich schenken können, da sie den Gesamteindruck des sonst sehr guten Albums etwas schmälern.
Also gibt’s einen Punkt weniger für ein wirklich rundum gelungenes und überzeugendes Album einer Band die den Underground mit „Into Nevermore“ um ein Hammeralbum bereichert hat !!
Auf jeden Fall kaufen und Membaris live unbedingt angucken !!!
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Lange Zeit hatte man von dieser von dieser Band nichts musikalisch Neues mehr vernommen. Umso mehr freute ich mich, als endlich deutlich wurde, dass MEMBARIS das unsägliche Kapital Karsten Jakob hinter sich gelassen hatten und nun endlich wieder durch ihren feinen Black Metal die zweifelslos verdiente Aufmerksamkeit erhielten. Daher war es auch keine Frage, ob ich dem guten Boreas nicht einmal eine Runde auf den Pelz rücke. Und dieser beantwortete meine Fragen dann auch noch auf schnellstem und auch sympathischstem Wege, dass ich hier hier gar nicht länger schwafeln möchte! Lest das Interview, lest das Review, kauft das Album!
Nabend Boreas! Ein ewig langer Rechtsstreit, Verzögerungen ohne Ende und doch ist es geschehen: "Into Nevermore" wird die Tage veröffentlicht werden! Wie fühlt ihr euch nach dieser Odyssey?
Es fühlt sich seltsam an. "Into Nevermore" hat zu viele Monate im Uterus verbracht und wir können es nicht mehr in dem Maße lieben wie ein "normales" Kind. Sicher sind wir glücklich, dass der Spuk ein Ende hat und wir das Teil endlich in unseren Händen halten können. Andrerseits liegt eine viel zu große Spanne zwischen der Zeit, als wir das Material geschrieben haben (2001-2004) und seiner Veröffentlichung. Wir können uns damit mittlerweile weder musikalisch noch intellektuell in dem Maße identifizieren, wie ich mir das eigentlich gewünscht hätte. Dieser Umstand geht auf das Konto eines gewissen Menschen, der für die Verzögerung verantwortlich ist und den ich dafür immer verachten werde.
Wie erging es euch denn in all der Zeit des Kampfes? Ich denke, die Sache mit BA dürfte bekannt sein, aber mich würde interessieren, wie es während dessen innerhalb der Band aussah? Habt ihr daran gedacht aufzuhören oder hat der Frust nur euren Hass genährt?
Es war frustrierend. Du fühlst für diese Noten mit jeder Faser deines Lebens und dann gibt es irgendwo einen labilen Idioten, auf den du dich in gutem Glauben eingelassen hast und der es wirklich schafft, durch seine unprofessionelle und betrügerische Art, dir die Passion für deine eigene Musik zu rauben. Klar wurde der Hass genährt, aber wir haben weder an irgendwelche unüberlegten Aktionen gedacht, noch daran uns aufzulösen. Glaube mir: Uns wird es noch einige Jahre geben. Keiner von uns wird abtreten, bis nicht auch die Visionen festgehalten sind, die uns die vergangenen Jahre im Kopf rumschwirrten.
Trotz des Ärgers habt ihr erneut bei einem Label unterschrieben. Keine Angst wieder auf die Fresse zu fliegen? Was versprecht ihr euch von der Zusammenarbeit mit Kai?
ARTicaz ist ein kleines und junges Label und nicht mit BA zu vergleichen. "Into Nevermore" ist die erste Black-Metal -Veröffentlichung von Kai und wir haben bis jetzt ein sehr gutes Gefühl. Es geht uns um nichts anderes als mit jemandem zu arbeiten, der eine Leidenschaft für diese Musik besitzt und trotzdem auf der "geschäftlichen" Ebene kein kompletter Dilettant ist. Wir können uns mit diesem ganzen weltlichen Kram wie Promotion, Verträgen und Vertrieben nicht auseinandersetzen. Dafür fehlen uns das Talent und auch die Nerven. Kai übernimmt das jetzt für uns und dafür sind wir dankbar. Meine Hoffnung für die Zusammenarbeit ist, dass wir auch für unser nächstes Album ("Crossing the Borderline of Event Horizon") mit ARTicaz zusammenarbeiten können. Ein besseres Kompliment kann ich einem Label nicht machen.
Kommen wir zu erfreulicheren Dingen- dem neuen Album. Man könnte fast meinen, der ewige Streit hat euch noch aggressiver und chaotischer gemacht, aber wenn ich mich recht erinnere, war das Material bereits vor der Auseinandersetzung mit Herrn Jakob fertig, oder? Was war euch beim Schreiben eures Zweitwerks wichtig?
Ich habe jetzt schon öfter gehört, dass wir "chaotischer" geworden seien, kann das aber ganz und gar nicht nachvollziehen. Außer "Winter Night", das eine Hommage an das "Nord"-Album von SETHERIAL darstellt, finde ich die Songs alles andere als komplex. Was uns bei dem Schreiben des Zweitwerks wichtig war, kann ich gar nicht so genau beantworten, da es einfach eine lose Ansammlung von einzelnen musikalischen Visionen ist, die darüber hinaus noch von drei verschiedenen Individuen stammen. Insgesamt muss der Hörer akzeptieren, dass es ein hochgradig fragmentiertes Album ist, wo jedes Stück seine eigene Geschichte hat. Wer ein tolles Gute-Nacht- Konzept mit Wikinger-Romantik will, wird von anderen besser bedient.
Mir ist aufgefallen, dass ihr die Death-Metal-Anteile im Vergleich zu "Poetry of Chaos" ein wenig zurückgeschraubt habt, dafür ein wenig chaotischer zu Werke geht. Eine bewußte Hinwendung zum reinen Black Metal oder einfach eine natürlich Änderung?
Ich finde auch "Poetry of Chaos" war ein reinrassiges, rohes Black-Metal-Album. Allerdings hat der Sound dieser eigentlichen Ästhetik vielleicht etwas den Wind aus den Segeln genommen. Fakt ist: Wir sind eine Black-Metal-Band, die sich in der Tradition von Bands wie ABIGOR, frühen SETHERIAL und frühen IN BATTLE sieht. Bei uns gibt es weder peinlich inszenierte Swastika-Skandale noch Rock n' Roll-Rhythmen zum Mitschunkeln um neue Hörerschichten zu gewinnen. Und was die Death-Metal-Anteile angeht: Wir sind eigentlich so wenig Death Metal wie man es sich nur vorstellen kann.
Aufgenommen habt ihr im, gerade für Black-Metal-Verhältnisse, unbekannten Ultratonstudio in Mainz. Wolltet ihr bewußt einen Produzenten, der mit Black Metal nicht so große Erfahrung hat, um ein wenig frischen Wind in den Sound zu bekommen?
Wir haben fast ein Jahr nach einem geeigneten Studio gesucht. Die Kleinen hatten den Vorteil, dass sie billiger waren und uns somit mehr Zeit für Experimente geblieben wäre. Auf der anderen Seite mochten wir diesen Crust/Punk-Sound nicht. Die Produzenten in den großen Aufnahmetempeln hingegen haben meistens überhaupt nicht verstehen können, dass wir eben nicht mit Klick, Trigger und kopierten Parts arbeiten wollen. Die hatten wirklich nicht die geringste Ahnung und konnten nicht nachvollziehen, was uns vorschwebte. Alex vom Ultraton hat zwar auch keinen Black-Metal-Hintergrund, ist aber einer der wenigen Produzenten, die sich als Dienstleister in dem Sinne sehen, als das die Wünsche der Band an erster Stelle stehen. Da das Studio für unsere Verhältnisse nicht gerade billig war, war es aber am Ende doch recht stressig. Aus der Sicht des Musikers und Perfektionisten hätte ich gerne noch ein paar Tage gehabt um gewisse Dinge besser zu machen. Ich denke aber trotzdem nicht, dass die kurze Aufnahmezeit "Into Nevermore" grundlegend geschadet hat. Viele meine absoluten Lieblingsalben (z.B. "Apokalypse" von ABIGOR) sind spontane Arbeiten. Zuviel Restaurierung raubt dieser Musik die Seele. Insgesamt kann ich dem Ultraton und seinen Mitarbeitern nur ein großes Lob aussprechen.
Nicht zuletzt bei der Gestaltung des Booklets wird deutlich, dass der lyrische Schwerpunkt auf dem Thema Ewigkeit zu liegen scheint. Was genau fasziniert euch daran, gab es vielleicht gar ein Erlebnis, welches das Interesse weckte?
Ich bin froh, dass du das erkannt hast. Ich denke, da wir uns weigern uns irgendeinen Stempel aufdrücken zu lassen, ist es nicht gerade einfach uns nachzuvollziehen. "Ewigkeit" trifft es recht gut. "Into Nevermore" heißt wortwörtlich übersetzt "ins Nimmermehr"oder "Zur Nichtigkeit", ist also streng genommen grammatikalisch falsch. Der Ausdruck hat aber durch Edgar Allen Poes Gedicht "The Raven" eine beachtliche Karriere hingelegt und wurde später in zeitgenössischer Literatur immer mehr als "der Punkt ohne Wiederkehr" übersetzt und so sollte auch der Albumtitel verstanden werden. Verdeutlicht wird dies durch das Foto auf dem Cover, das einen abgestorbenen Baumstupf aus dem Westerwald mit dem Antlitz eines alten Mannes zeigt. Wir waren von der ersten Sekunde an fasziniert von dem Bild, dass für uns perfekt das Gefühl unserer Musik vermittelt. Eine wirkliche Quintessenz zu definieren fällt schwer. Für mich repräsentiert die Musik ein Abgesang auf das irdische Dasein und die Feier einer neuen Existenz ohne die Fesseln weltlicher Beschränkungen. Der Mensch hat sich den Dogmen der Weltreligionen unterworfen, weil er verstanden hat, gewisse metaphysische Phänomene nicht erklären zu können. Egal ob Monotheismus oder Polytheismus: Es dient alles nur dem Ziel seine eigene Vergänglichkeit und Nichtigkeit zu kaschieren und zu ertragen. Aber selbst die "aufgeklärte" und in der Tendenz nicht sehr spirituelle westliche Gesellschaft ist nicht wirklich frei von Götterbildern. Selbst in einer "freien" Demokratie wie der BRD brauchen die Menschen Götter wie Geld, Macht und Statussymbole, um niemals zu vergessen, dass sie nicht mehr Wert sind als ein Regenwurm und dass sie genauso schnell vom Schicksal zertreten werden können. "Into Nevermore" ist meine persönliche Götzendämmerung, mein dionysisches Manifest, ein Veto gegen die westliche Lebensphilosophie.
Einher mit der Ewigkeit geht natürlich Vater Tod, der seit jeher von großem Interesse für die Menschheit war. Wie stellst du dir das Ende vor? Ewige Ruhe, ein Weiterleben der Seele, gar Reinkarnation?
Hehe, ich sehe schon jetzt kommen die ganz großen Fragen, was? Ich möchte weder blind sein noch mich von irgendwelchen spirituellen Dogmen betrügen lassen. Ich bin mittlerweile überzeugter Fatalist, da der Fatalismus nur bis zur Peripherie blickt aber nicht die Grenzen dessen überschreitet, was er nicht erklären kann. Ich kann mir nicht vorstellen, was passieren wird und deswegen tippe ich mal auf die ewige Ruhe. Bis zu diesem Punkt habe ich mir keinen einfachen Weg ausgesucht und "Glück" wird es eh niemals geben, aber wie gesagt ich kehre nicht blind in die Ewigkeit ein.
Mal ganz plump: Sehnst du das Ende herbei oder genießt du dein Leben und möchtest noch etwas erreichen?
Ich genieße weder mein Leben noch sehne ich das Ende herbei.
Worauf legt ihr generell bei den Texten und der Musik wert? Ich meine, es ist augenscheinlich, dass ihr weit vom lyrischen Einheitsbrei der, größtenteils, stupiden Black-Metal-Veröffentlichungen entfernt seid und auch musikalisch hebt ihr euch wohltuend von Selbigen ab, doch was ist der Motor, der euch antreibt, was das Benzin, das euch inspiriert? Ich meine, ich höre bei einigen Songs ein wenig alte ULVER heraus?
Danke für dein Kompliment. Ich selbst würde uns für die Texte mittlerweile kein gutes Zeugnis mehr ausstellen. "Red Rain" zum Beispiel ist ein purer Klischee-Text mit wenig bis gar keinem wertvollen Inhalt. Aber wie bereits erwähnt, die Stücke sind alt und mir ist das auch nicht peinlich, da wir immer authentisch sein wollten und dazu zählt auch seine Vergangenheit nicht zu verleugnen. Die Frage nach dem Benzin, das einem antreibt, vermag ich nicht ausreichend zu beantworten. Manche Menschen brauchen ein dickes Auto, viele Freunde oder einen tollen Job. Ich brauche dieses kurzzeitige Hochgefühl, die eskapistische Entgrenzung und die Ekstase eines MEMBARIS-Songs. Egal ob bei der Entstehung im Proberaum oder später bei der Rezeption. Zu ULVER: Der Sturm, den damals "Nattens Madrigal" entfacht hat, hat uns alle mitgerissen.
Auf den Bühnen des Landes wart ihr bisher verhältnismäßig wenig unterwegs. Woran liegt`s? Haltet ihr euch diesbezüglich lieber etwas bedeckt und selektiert? Oder würdet ihr gern einmal eine größere Tour spielen?
Black Metal ist eine intime Angelegenheit. Black Metal ist für mich eben nicht gleich Metal und ich bin mir nicht sicher, ob authentischer Black Metal live wirklich dargeboten werden kann, da solch abgrundtiefe Emotionen freigesetzt werden, die meiner Auffassung nach eben nicht zu applaudierenden und jubelnden Konzertbesuchern passen.
Trotzdem haben wir bis jetzt nicht darauf verzichtet live zu spielen, wobei wir nicht zu der Gattung Band gehören, die ihre Musik jedes Wochenende der Meute zum Fraß vorwerfen muss. Diesen Sommer wird es noch ein paar wenige Auftritte geben. Danach konzentrieren wir uns auf das nächste Album.
Welche bisherigen Gigs würdet ihr denn als besonders Bemerkenswert, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne, hervorheben?
Gut organisiert war das Konzert mit DARK FORTRESS im Turock in Essen. Das "From Hell" in Erfurt ist von der Aufmachung her sehr nach unserem Geschmack gewesen. Atmosphärisch das schlechteste war sicher ein Gig in der Live-Arena in Darmstadt mit einer bekannten aber sehr beschissenen (Melodic) Black-Metal-Band.
Hehe, ja, ich erinnere mich. Ihr habt bereits des öfteren eure Verbundenheit zu den Northeimern von Darkbound bekräftigt, die sich ja sehr für den BM Underground einsetzen. Ist euch dieses Engagement als Band ebenso wichtig? Ihr pflegt ja, zumindest mit dem guten Nils von WEIRD FATE, ein gutes Verhältnis, wie sieht es mit anderen Bands aus, nicht zuletzt grüßt ihr ja auch meinen Chef und seine Bands,hehe.
Wir hatten DB 1999 oder 2000 ein Tape geschickt, das sich die Jungs (offensichtlich) im besoffenen Kopf rein gezogen haben und daraufhin beschlossen haben uns zu unterstützen. Ich meine, du hättest das Ding mal hören sollen. Das war so schlecht aufgenommen, dagegen klingt das Enslaved-Demo wie eine Hochglanzproduktion! Auf jeden Fall haben sie uns ab diesem Zeitpunkt bis zur "Poetry of Chaos" mit Konzerten und Aufnahmen unterstütz ohne dafür auch nur irgendeine finanzielle Gegenleistung zu verlangen. Es ist purer Idealismus, der diese Leute antreibt und es war das erste und einzige Mal, dass ich erlebt habe, was "Underground" eigentlich wirklich bedeutet. WEIRD FATE ist die einzig ernstzunehmende Black Metal-Band in unserer Umgebung und deswegen ist es ganz natürlich einen musikalischen und freundschaftlichen Austausch zu pflegen. Was deinen "Chef" angeht: Er hat uns in einer bestimmten Situation versucht zu unterstützen obwohl er uns nicht persönlich kannte. Dafür ist eine kleine Widmung das Mindeste. Zu anderen Bands aus der deutschen Szene haben wir sonst nur wenig bis gar keinen Kontakt.
Mal etwas genereller: Ich muss sagen, dass ich, obwohl ich diese Musik noch immer mehr als nur gerne höre, ich mich der Szene oft angewidert gegenüber sehe, gar kaum noch Lust auf Konzertbesuche in dieser Richtung verspüre. Ist es das Alter, oder haben sich die Dinge tatsächlich so sehr gewandelt? Oder stehe ich gar allein mit meiner Meinung da? Klar gibt es viele gute Bands, keine Frage, doch kann denen das Publikum irgendwie selten das Wasser reichen, findest du nicht?
Oh, ich kann dich sehr gut nachvollziehen. Speziell die deutsche Szene ist wirklich erbärmlich. Man hat das Gefühl es mit einem Haufen pubertierender Profilneurotiker zu tun zu haben. Diese "Menschen" verschwenden ihre Zeit und Energie in irgendwelchen Internetforen, um sich über den Sound von Band "X" oder das politische (un-)korrekte Image von Band "Y" zu unterhalten. Wir haben uns mittlerweile von dieser Szene weitgehend verabschiedet, was nicht schwer war, denn wir waren nie wirklich involviert. Ich habe kein Problem mit extremen Menschen und irrationalem Verhalten. Das bringt die Musik einfach mit sich. Was mir aber regelmäßig die Galle hochkommen lässt ist diese offensichtliche Dummheit mit der sich diese vermeintliche Elite schon zu oft disqualifiziert hat. Die (im negativsten Sinne) asoziale deutsche Black-Metal-Szene hat anscheinend nichts besseres zu tun als sich hinter der warmen Heizung und vor dem PC immer wieder aufs neue ein perfektes misanthropisches Weltbild zu schaffen, das ihre eigene Nichtigkeit kaschiert. Sie kriegen einen Ständer wenn sie sich gegenseitig antisemitische Äußerungen an den Kopf werfen, aber wenn du diese Gestalten dann mal auf einem Konzert siehst, denkst du dir nur einfach du bist im falschen Film. Ich scheiße auf Political Correctness aber mit der rechten Pest wollen wir nichts zu tun haben. Sie brauchen Auschwitz um extrem zu sein. Ihr Fanatismus hat aber kein seelisches Fundament. Es gibt (wie bei allem) sicherlich Ausnahmen und ich verwehre niemandem eine ernstzunehmende Korrespondenz. Aber meine Erfahrungen sind eben einfach nur sehr schlecht.
Andrerseits sollte man dieser so genannten Szene vielleicht auch einfach keine Träne nachweinen und einfach akzeptieren, dass Black Metal am Ende ist? Ich wünschte mir so sehr, man könnte unserer Musik einen anderen Namen geben, aber das ist leider nicht möglich. Wir spielen Black Metal und sind somit auch irgendwo (ungewollt) Teil des Untergangs.
Ebenso bist du ja auch noch für die Metallkatharsis als Schreiberling tätig. Was reizt dich an der Schreiberei, du schreibst ja nicht nur normale Reviews, sondern auch Berichte abseits des Metals?
Stephan (der Macher der Metallkatharsis-Seite) ist ebenso wie die Leute von DB ein Idealist und er hängt sich mächtig ins Zeug für die Dinge, die ihm am Herzen liegen. Er gibt mir das Gefühl, dass es eben nicht so sein muss wie oben beschrieben. Dabei hat mich vor allem das Konzept gereizt, das besagt, es wird geschrieben, wenn man die Lust danach verspürt und nicht weil man denkt, man stehe in Konkurrenz zu anderen Magazinen. Wenn alles gut geht kommt die MK irgendwann nur noch als Printmag raus und das würde dem Niveau im deutschen Blätterwald mal einen gehörigen Schub verpassen.
In der Tat, die MK ist wahrlich unterstützenswert! Soweit meine Fragen, ich danke dir für die Beantwortung! Sag, was du schon immer einmal sagen wolltest!
Danke für das Interview.
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Wahrlich turmhoch ragen die hämischen Lieder dieses talentierten Schwarzmetalltrios über das belanglose Einerlei der uninspirierten deutschen Black Metal-Heerscharen hinaus. Vom sich mehr und mehr ausbreitenden Patronengurt-Kindergarten und MySpace-Zirkus, welcher diese einzigartige Stilistik jeden Tag mehr ins Lächerliche zieht, sind Membaris unzählige Lichtjahre entfernt. Diese drei Dunkelseelen dagegen, alles andere als herzlos agierend, erzeugen auf ihrem aktuellen zweiten Album "Into Nevermore" einen regelrechten emotionalen Flächenbrand - ein inbrünstiges Feuer, dessen arglistig ausufernde Melodik-Flammen die Sinne passionierter Genre-Fanatiker unweigerlich entzünden sollten. Massenmediale Aufmerksamkeit scheuen sie jedenfalls so sehr wie der Teufel das heilige Weihwasser - der in jeder Hinsicht hochdynamische Dreierbund zelebriert seine ausgetüftelt abgründige Grollkunst viel lieber für eine erlesene Klientel aus Kennern und Genießern. Im angeregten Gespräch bestätigten zwei der Urheber meine Vermutung aufs Angenehmste, dass es sich bei ihnen um intellektuelle Ausnahmekreaturen in den Reihen der ganzen heutigen Minusmenschen handelt.
Gitarrist Boreas spricht für mich direkt aus seiner persönlichen Seelenhölle und beschreibt sich selbst zu Beginn als ein "alkoholabhängiger, psychisch extrem labiler Versager, der mittels der Black Metal-Subkultur versucht einen Sinn in seinem Leben zu finden"; doch der Kerl relativiert direkt im Anschluss: "Ernsthaft: Ich möchte mich nicht selbst einschätzen, da Subjektivität ihre Grenzen eben beim Subjekt selbst haben sollte."
Laut assistierender Aussage von Bassist und Vokalist Kraal war die auslösende Ursache der Gruppengründung von Membaris sein eigenes Verlangen, all seine negativen Emotionen in Worte und Musik zu bannen.
Boreas betrachtet Black Metal nicht als pädagogisches Heilmittel: "Musik sicherlich, da gab es einige, aber ich unterscheide zwischen Musik und Black Metal. Es ist eigentlich eher der umgekehrte Fall. Nicht der Black Metal tröstet mich, es ist vielmehr so, dass ich durch diesen Sog von Negativität in den diese Musik einen hineinschleudert, überhaupt erst in die Lage gekommen bin, Hilfe oder "Trost" zu brauchen. Die so genannten "Übermenschen" proklamieren, dass Black Metal stark mache und die Gründung einer Elite legitimiere. Ich sehe das anders: Wenn Black Metal richtig funktioniert, dann macht er einen psychisch kaputt und das ist in gewisser Hinsicht auch seine Aufgabe. Um auf deine Frage zurückzukommen: "The Umbersun" von Elend ist sicher der größte Schatz meiner CD-Sammlung und wenn der Alltag mal wieder unerträglich ist, ziehe ich mich in diese monumentalen Klang-Kathedralen unendlicher Schwärze zurück. Nach einer Stunde geht's mir wieder gut."
Kraal hingegen schöpft nicht allzu viel Hoffnung für die Zukunft, wie er mir zu diesem Kontext freimütig in aller Offenheit bekennt: "Also ich hoffe eher nicht so viel, ich mache da lieber was. Wer hofft, der kann auch andere für sich denken lassen. Es gibt viele von diesen Hoffnungslosen."
Boreas expliziert hierzu noch: "Deine Frage impliziert, dass wir in einer hoffnungslosen Zeit leben. Nun man müsste erstmal klären, inwiefern das zutrifft. Wenn ich den Fernseher anmache oder raus auf die Strasse gehe, sehe ich nichts als nichtiges, austauschbares Leben. Ich nehme mich da nicht aus, auch meine Existenz hängt an einem seidenen Faden, aber ich bin mir dessen bewusst. Bewusstsein ist der erste Schritt in Richtung innerer Frieden. Das ist genau das, wonach ich strebe. Innere Ruhe, egal um welchen Preis. In mir bekämpfen sich viele Dämonen und der einzige Weg eine Auszeit zu nehmen und Kraft zu tanken sind die mannigfachen Klangkörper der Schwarzen Künste. Egal ob Black Metal oder Dark Ambient: Musik ist meine schmerzlindernde Arznei. Ich habe keine Hoffnung für die Zukunft, denn meine Lebenseinstellung wird sich garantiert nicht zum Positiven verbessern (schon gar nicht bei einer solchen musikalischen Ausrichtung), aber wenn ich an die Zukunft und deren Sinn denke, denke ich daran, dass ich noch mindestens zwei Alben mit Membaris aufnehmen will. Die Musik dieser Band ist das einzige in meinem Leben, was eben nicht nichtig ist."
Wenn der Gitarrist derzeit an seine Gruppe Membaris denkt, fühlt er sich zeitweise sogar etwas schizophren. "Irgendwo freue ich mich, dass wir das Kapitel "Into Nevermore" endlich abschließen konnten. Andrerseits ärgere ich mich darüber, dass es so lange dauern musste. Ich bin zwar mit dem Resultat zufrieden, aber auch die Atmosphäre auf dem zweiten Album entspricht nicht dem, zu was wir fähig sind. Ich habe hier einen Haufen Demo-Aufnahmen, die wirklich sehr finster und intensiv sind. Es brennt mir unter den Nägeln diese Visionen endlich adäquat umzusetzen. Dadurch, dass alle drei von uns Songs schreiben, haben wir das Gefühl ständig etwas absorbieren zu müssen. Die Marktmechanismen hindern uns aber daran. Wie ich in anderen Gesprächen bereits erwähnt habe: Die Stücke auf dem aktuellen Album stammen aus der Zeit von 2001-2004. Ich würde mich lieber heute als morgen ins Studio setzen, um unser kommendes Werk "Crossing The Borderline Of Event Horizon" aufzunehmen. Aber das wird so schnell kaum möglich sein."
Kraal geht es da schon besser: "Ich fühle Kraft und Zusammenhalt zwischen uns drei Individuen; bin erleichtert, endlich meine Visionen und Gedanken hören zu können."
Ich erkundigte mich bei den beiden Musikern, ob sie mit der Entwicklung ihres Werdegangs als Band über die Jahre bis heute zufrieden sind? Es hat sich doch eine ganze Menge getan in der deutschen Schwarzmetall-Szene. "Bei uns kannst du das keine richtige Szene nennen, hier und da ein paar schwarze Gestalten. Außer Weird Fate gibt es hier keine ernstzunehmende Black Metal-Band", konkretisiert Kraal die Verhältnisse. Boreas meint dazu: "Wir waren immer stark auf uns selbst fixiert und haben uns nicht um die Szene, deren Skandale und Moden gekümmert. Durch meine Ex-Freundin, die recht stark involviert war beziehungsweise ist, habe ich einen regelrechten Kulturschock erlitten. Auf einmal waren Bands im Gespräch, von denen ich noch nie was gehört hatte. Auch der Diskurs insgesamt hat sich verändert. Mein Eindruck ist, dass die Szene in einer Sackgasse steckt und versucht sich mit ziemlich lächerlichen Mitteln da raus zu manövrieren. Dabei korreliert das skandalöse Auftreten einiger Leute stark mit deren musikalischer Uninspiriertheit. Klar, es ist lustig sich auf der Bühne bis auf die Knochen zu zerschneiden aber was interessiert mich das, wenn die Musik belanglos ist? Diese Affen, für die Black Metal mittlerweile nichts weiter als Provokation ist, verstehen nicht, dass der musikalische, transzendente Fanatismus den realen um ein Vielfaches übersteigt. Wenn ich Skandale und Gewalt haben will kaufe ich mir eine Bild-Zeitung. Die ist billiger und weitaus extremer als alles was die Black Metal-Szene je zu Stande bringen wird."
Als ich gezielt nachfragte, wie Membaris ihre Einstellung zur deutschen Black Metal-Szene definieren, bezichtigte mich der erstaunte Boreas glatt aufgebracht der Spaßmacherei. "Du machst wohl Witze? Ich bin froh, wenn ich die kommenden Membaris-Konzerte bestehe ohne kotzen zu müssen. Es gibt einige Leute, die unsere Musik schätzen und uns unterstützen. Ansonsten halten wir uns von dieser Szene fern."
Dann gingen wir endlich zum gleichfalls leidigen wie lachhaften Thema MySpace über. Boreas präzisiert seine Sicht der Dinge auf interessante Art und Weise: "Tja, ein heiß diskutiertes Thema. Erst war ich angetan von der Idee, dass es eine Metaebene gibt, auf der Bands ihre Musik ohne ökonomische Zwänge präsentieren können. Andererseits habe ich sehr schnell realisiert, dass Myspace für die Untergrund-Kultur ein richtiges Gift ist. Black Metal darf niemals zum "User Generated Content" werden, da dies der Tod bedeutet. Musik ist mittlerweile so leicht verfügbar und hat einfach (ähnlich wie bei einer Inflation) seine Wertigkeit verloren. Auf den "User" prallen tonnenweise musikalische und visuelle Eindrücke ein. Er wird satt, müde und dekadent. Hinzu kommt, dass jeder meint sich dort darstellen zu müssen. Aber sollte überhaupt jeder das Recht dazu haben? Früher gab es ein Auswahlverfahren über die Labels. Was gefiel, gut war und Herz hatte wurde finanziell gefördert. Auf diese Qualitätsprüfung sind die Bands heute nicht mehr angewiesen und das ist schlecht. Eine Plattform wie Myspace ist meiner Meinung nach nur für extrem nonkonforme, avantgardistische Gruppen sinnvoll, deren Kunst niemals von einem Label unterstützt würde. Ansonsten gilt: Die maßlose Liberalisierung, egal in welchen Lebensbereichen, ist immer schlecht. Wir werden in naher Zukunft unsere Seite bei dieser "Community" löschen."
Im Weiteren befasste sich das Gespräch mit dem Themenkontext Black Metal-Trend, in welchen von oberflächlichen Konsumenten wahrscheinlich auch die Musik von Membaris eingeordnet wird. Kraal relativiert: "Ich habe irgendwie nie an Trend gedacht, obwohl er ja deutlich vorhanden war. Black Metal war seit dem Zeitpunkt des ersten Hörens immer tief in mir drin."
Boreas definiert seine Ansicht, dass dieser musikalische Trend doch schon längst in der Versenkung verschwunden ist. "Genau wie Death Metal. Deswegen muss man jetzt nicht heulen, so läuft das Spiel nun mal. Ich denke es gibt kaum eine Musikart, die so tot geritten wurde wie der Black Metal. Jetzt kann man natürlich fragen: "Und ihr? Warum bringt ihr Alben raus wenn alles tot ist?" Eine berechtigte Frage, die wir uns auch schon im Vorfeld der Aufnahmen von "Into Nevermore" gestellt haben. Antwort: Wir halten unsere Musik für wertvoll. Wer daran teilhaben will kauft sich die CD (es soll ja noch solche Leute geben), wer nicht, lässt es eben bleiben. Wichtig ist die Gewissheit, dass wir mit der Veröffentlichung des Albums eben nicht dazu beitragen den deutschen Black Metal zu schwächen, sondern im Gegenteil: Wir wollen ihn stärken."
"Erfolg kommt oder kommt eben nicht mit steigendem Bekanntheitsgrad, erläutert mir Kraal. Wir erfahren: "Ich lege da nicht so viel Wert drauf. Es ist für mich viel wichtiger, die Musik mit meinen Brüdern zu zelebrieren. Auch kleiner Erfolg kann einen schnell verderben - also schön auf dem Teppich bleiben."
Boreas stellt hierzu klar: "Erfolg ist für mich, wenn die anderen in der Gruppe meine Songs mögen und mit absoluter Hingabe an deren Vervollständigung arbeiten. Erfolg ist für mich auch, wenn besondere Menschen, die man selbst für ihr Schaffen anbetet, einem ein Lob aussprechen - so geschehen mit Renaud Tschirner von Elend. Alles andere was nominell, also kommerziell quantifizierbar ist, kann heutzutage nicht mehr als Erfolg definiert werden. Und schon gar nicht in der deutschen Black Metal-Szene im Jahre 2007. Rein kommerziell sind wir eine extrem erfolglose Band und werden dies wohl auch immer bleiben."
Kraal hat seine eigene Art des Bass-Spielens für sich persönlich gut weiter ausgefeilt - er geht in die Tiefe: "Musikalisch schaffe ich es daher noch viel besser meinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Wir sind atmosphärischer geworden und ich habe ein starkes Interesse am Kosmos und am Chaos in mir selbst entwickelt."
Boreas erzählt im Anschluss, seinen Kollegen ergänzend: "Alle unsere bisherigen Veröffentlichungen einschließlich "Into Nevermore" sind streng genommen nicht sonderlich innovativ in dem Sinne, als das wir etwas Neues erfunden hätten. Es ist gut und eigenständig, aber eben nicht neu. Mit "Crossing The Borderline Of Event Horizon" werden wir neues, finsteres Terrain betreten. Nicht nur, dass sich das Songwriting stark entwickelt hat. Wir werden auf diesem Mammutwerk auch verstärkt mit Ambient-Klängen experimentieren. Es soll in jeglicher Hinsicht eine verstörende Reise an die Peripherie des Ereignishorizontes werden. Es wird sehr unfreundlich, kalt und sphärisch."
Mannigfaltige Fragen nach Einflüssen und Inspirationen werden Membaris stets gestellt - obwohl sie laut Boreas für ihn eigentlich nicht zu beantworten ist. "Wichtige Bands waren Abigor, (frühe) Setherial und Adversam. Inwiefern sie Einfluss auf unsere heutige Musik haben, kann ich nicht sagen. Wir klingen anders."
Markante Unterschiede, wenn man das aktuelle Album mit den vorherigen Membaris-Liedern vergleicht, kann mir der Gitarrist ebenfalls nur schwer formulieren. "Das ist wirklich schwierig zu sagen, denn jedes Lied ist ein Kapitel für sich und sehr eigenständig. Deswegen kann man unsere Alben vom Songwriting her nur schwer unterscheiden. Beim dritten Output wird eine Zäsur schon eher deutlich. Ansonsten muss ich sagen, dass "Into Nevermore" sowohl was den satten Sound als auch die, wie ich finde, sehr gelungene visuelle Umsetzung angeht, viel professioneller ist als der Vorgänger. Außerdem haben sich auf dem Albumvorgänger "Poetry of Chaos" einige Spielfehler eingeschlichen, die mit unserem damaligen Dilettantismus zu erklären sind. Ich mag das Album trotzdem, weil dort gute Songs zu finden sind."
Zum aktuellen Tonträgerverlag kamen Membaris glücklicherweise ohne große Mühen: "Wir haben 2005 mit Morrigan und Asaru im Steinbruchtheater in Darmstadt gespielt. Dort ist der Inhaber Kai wohl auf uns aufmerksam geworden und hat bei uns angefragt. Nachdem die Sache mit diesem anderen Label geklärt war, lief alles ziemlich schnell und ich denke, dass wir bei ARTicaz in guten Händen sind. Es ist eine ganz neue Erfahrung für uns. Sein Engagement lässt keine Wünsche offen", freut sich Boreas.
Ich erkundigte mich nach einem spezifischen Antriebsfaktor, welcher die Band dazu bewegt, ihre extrem expressive Schwarzmetallmusik zu kreieren. Boreas hat da nicht die geringste Ahnung: "Es ist eben die Musik, die wir am besten spielen können und die am ehesten unser negatives und pessimistisches Innenleben darstellt - mehr kann ich dazu nicht sagen."
Über sein Privatleben schweigt sich der Gitarrenspieler aus. "Was genau ich in meinem Alltag tue geht niemanden etwas an. Die Musik ist aber mein ständiger Begleiter. Mal macht sie mich fertig und spuckt auf mich, dann wieder gibt sie mir Frieden und innere Ruhe. Es ist ein ständiges Auf und Ab des seelischen Zustandes. Ganz zu schweigen von dem Zustand meiner Ohren. Ich glaube ich habe mittlerweile einen üblen Tinnitus, den ich auch nicht mehr loswerde. Schöne Aussichten für das Alter", ironisiert er.
Dann unterhielten wir uns über die Genüsse deutscher Braukunst. Boreas wohnt derzeit hauptsächlich in Bamberg, und dort scheint man es ganz aushalten zu können, denn: "Wenn du dich mit Bier auskennst, dann weißt du, dass das mit neun hochklassigen Brauereien quasi die Hauptstadt des Bieres, das Mekka aller Saufköpfe mit Niveau ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass hier das beste Bier der Welt gebraut wird. Empfehlen kann ich Zirndorfer, Fässla und mit Abstrichen Mahrs. Was ganz Besonderes ist das Schlenkerla, ein Rauchbier. Es hat durch die Behandlung mit dem Rauch brennender Buchenholzscheite ein frisches, geräuchertes Aroma und ist weltberühmt. Harten Alkohol trinke ich nicht mehr, da ich dabei schon zu oft die Kontrolle verloren habe."
Weil wir ohnehin schon beim Thema "Saufen" waren, bewegte ich die inhaltliche Gesprächsdirektive auch noch gleich in Richtung Drogenmissbrauch. Ich fragte nach, was Membaris von "modernen" Drogen halten. Meiner Ansicht nach sorgen sie für eine dringlich erforderliche Auslese, mittels derer die "Schlechten" sich selbst damit zu Tode richten. Für Boreas eine interessante Ansicht. Er spricht: "Du scheinst deine Misanthropie (sofern du solche Gefühle hegst) mit den Auswüchsen der Globalisierung zu legitimieren. Jede Gesellschaft, jede Zeit hat ihre Drogen. Das gehört genauso zum Menschen wie der Krieg. Man braucht nur an die alten Naturvölker denken oder den ärmlichen Versuch der amerikanischen Regierung ihre Prohibition durchzusetzen. Ich denke einfach, dass die "modernen" Drogen ein Begleiter und Aspekt des Gegenwartlebens darstellen. Dieses ist schneller und hektischer geworden und mit ihm auch die Rauschgifte. Ob man den Tod oder den Zerfall einer großen Masse von Konsumenten chemischer Drogen als Rache der Natur am Menschen interpretieren sollte, halte ich für fraglich. Allerdings muss ich sagen, dass mich immer ein Hochgefühl überkommt, wenn ich einem dieser offensichtlichen Drogenwracks begegne. Diese Zerstörungskraft, die sich im Zerfall des menschlichen Körpers manifestiert, ihre traurigen und hoffnungslosen Augen - das wirkt berauschend auf mich. Hier liegen Leben und Tod so dicht beieinander. Ansonsten hast du natürlich Recht, wer nicht drauf klar kommt hat den Tod verdient. Es ist eine Form der Auslese. Es wird auf dem Nächsten Output ein Song Namens "Only Ruins Remain" geben, der sich genau mit dieser Thematik befasst."
Ehrensache, dass es hiernach auch noch um das "von Grund auf ehrliche, ehrbare und absolut selbstlose" Christentum ging. Bevor diese perfide und resolute Machtmöglichkeit über die Menschheit mit Zwang global verbreitet wurde und den einstigen Naturvölkern beziehungsweise -Religionen mit einem gigantisch hohen Blutzoll der Garaus gemacht wurde, beteten die Menschen Mutter Natur ehrfurchtsvoll an. In der Moderne verschmutzen sie sie nach allen Kräften. Wie wird das nach Meinung von Membaris nach enden? "Wir haben Ehrfurcht vor der Natur. Auch wenn es nach Black Metal-Klischee klingt: Wir waren oft in den Wäldern um ihre Herrlichkeit in uns aufzusaugen. Das Christentum interessiert mich nicht. Es ist dem Untergang geweiht, denn es hat auf Gewalt als Mittel der Macht verzichtet und wird untergehen. Was mich vielmehr provoziert ist der Islamismus. Aber ich hasse sowieso die allermeisten Religionen, mit Ausnahme von beispielsweise dem Buddhismus! Ich finde es schade, dass die Black Metal-Szene von heute vor ihren PCs und in ihren Internet-Foren verrottet, anstatt eine ernst zu nehmende antireligiöse Bewegung auf die Beine zu stellen. Die Lichter, die damals in Norwegen aufflackerten waren nur Symbole. Und wenn die deutsche Szene auch zum größten Teil einfach behindert ist, sind sie sich ja einig, dass Black Metal eben Krieg sei. Diese Richtung hätte einen Sinn und ich wäre an vorderster Front dabei."
Das Album-Cover zu "Into Nevermore" sowie die grafische Gestaltung des Membaris-Gruppen-Schriftzuges mit den sinnbildlichen Baumwurzeln zeugt von expliziter Naturverbundenheit. Ich hakte daher nach, worum genau sich also die neuesten Liedertexte auf dem aktuellen Album drehen und woher das Interesse an den lyrischen Themen der Lieder kam. "Manches sind Visionen, vielleicht unbewusste Wünsche. Manche entstammen dem inneren Schmerz. "Rabenhorst" beispielsweise beschreibt eine Situation, ein Naturereignis, das außer mir niemand nachvollziehen kann. Über das Lied "Shades" werde ich kein Wort verlieren. Interpretiere die Texte gerne für dich, ich will mich dazu eigentlich nicht äußern", bekundet mir Kraal.
Boreas hingegen schreibt keine Texte, als Gitarrist sind die Riffs seine Form des Ausdrucks. Er erzählt: "Als am zweiten Aufnahmetag der Bruder unseres Sängers gestorben ist, hat er sich kurzerhand dazu entschlossen, dieser Person den Text von "Shades" zu widmen. Was ihm dabei durch den Kopf ging oder warum er das tat, kann ich nicht wissen und wir sprechen auch nicht darüber."
Wie liefen die bisherigen Membaris-Bühnenattacken so? Und was könnt ihr mir über kommende Live Aktivitäten berichten?
Für Bassist und Vokalist Kraal sind Bühnenauftritte mit seiner Truppe eine regelrechte Zelebrierung. Seine Augen beginnen zu leuchten, als er sagt: "Ich erhebe mich dann jeweils für eine dreiviertel Stunde in Weiten, wohin mir außer meinen Brüdern glaube ich niemand hin folgen kann."
Boreas empfindet Auftritte sogar als gelebte Ekstase: "Wir mussten aber erst lernen, das auch live rüberbringen zu können. Wir waren am Anfang recht introvertiert, weil wir eben keine künstlichen Posen mögen. Die Leute hatten wohl Schwierigkeiten und wussten erst nicht, was sie von uns halten sollen. Mittlerweile fühle ich mich aber meistens recht wohl, auch wenn ich mir bewusst bin, dass unsere Musik für einen Großteil der Konzertbesucher einfach zu komplex ist. Andererseits möchte ich nicht zu den Leuten zählen, die den Schwanz einziehen und sich nicht raus trauen, Leute die nur vor dem Rechner hocken und elektronisches Getrommel programmieren. Bei einem Konzert werden all diese seltsamen Emotionen freigesetzt und sind greifbar. Wann und wo wir in Zukunft spielen ist unserer Internetseite www.membaris.de zu entnehmen. Im Winter werden wir allerdings eine Live-Pause einlegen, da ich und der zweite Gitarrist einige Zeit im skandinavischen, beziehungsweise baltischen Ausland leben werden."
Kraal knüpft dazu noch an: "Es gibt kein genaues Ziel, es kommt, wie es kommen soll. Könnte man das Schicksal nennen? Wir tun, wonach uns ist."
"Das nächste große Projekt von Membaris heißt wie erwähnt "Crossing The Borderline Of Event Horizon", so Boreas. Alleine bei dem Gedanken an dieses Werk wird dem Gitarristen schwindelig, wie er ganz unverkrampft vor mir zugibt: "Ich hoffe, dass es mir inneren Frieden schenken kann. Wenn alles glatt läuft ist das Werk Ende nächsten Jahres 2008 draußen."
Abschließend interessierte mich noch die abwegigste Frage, welche dem Trio bisher in einer Befragung zuteil wurde - Boreas berichtet mir dazu, dass er mal in einem Interview mit einem serbischen Mag gefragt wurde, warum Mystic Circle so scheiße sind. "Die Frage fand ich ziemlich seltsam. Dein ehemaliger Auftraggeber Legacy pflegt übrigens auch nicht gerade eine herausragende journalistische Kultur. Vielen Dank für das Interview - ein interessanter Austausch und der Mühe wert."
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The malicious songs of this talented Black-Metal horde are surpassing most of the unsignificant utterings of legions of uninspired german Black Metal bands. Membaris agitate lightyears away from the spreading plague of spikes and leather kindergarten and MySpace-circus which pulls this unique style into absurdity day by day. On the contary, those three dark souls create on their second album "Into Nevermore"- by no means without the necessary feeling- an emotional, a devoted fire; whose unpredictably flaring flames should ignite every sense of the passionate genre-fanatic. Shunning the attention of the mass-media like the devil the holy water, this highly dynamic trio rather celebrates its abyssal art for an exclusive audience of connoisseurs.
In the following conversation two of them confirm my presumption of dealing with exceptional and intellectual creatures instead of just others belonging to the vast field of minus-humans.
Guitar player Boreas hits the spot of his own personal hell by describing himself as an "alcohol addicted, mentally complete unstable loser who is trying to find a sense in his life through the Black-Metal underground", just to become stern again: "No really, I don't want to judge myself, for subjectivity should draw the line at the subject itself."
Bass player and vocalist Kraal agrees and states that the main reason to found Membaris was the inner urge to express and form his negative emotion through words and music.
Nevertheless, Black Metal is not seen by Boreas as some kind of educational antidote: "Music, sure, there is some, but I separate music and Black Metal. It is more the other way round: Black Metal does not comfort me, in fact the torrent of negativity the music throws you into puts me into the state where I need help or "comfort" in the first place. These so called "Übermenschen" proclaim that Black Metal strengthens and the founding of an elite is legitimated. But I say: Black Metal done the right way should wreck your emotions and that is so to speak its task. To answer your question: Elend's "The Umbersun" is the greatest treasure in my CD-collection and if everyday life grows unbearable I seek refuge in this monumental sound-cathedral of infinite Blackness. One hour later I'm fine again.
Kraal on the other hand is not too positive about the future, which he admits open-hearted when asked about that topic: "Well, I try not hoping too much, I rather do something. Anyone hoping might as well let others do the thinking. There are many of these hopeless people."
Boreas adds: "Your question suggests that we are living in hopeless times. Well, at first we should check if that fits. If I turn on TV or go out on the streets, I see nothing but unimportant, exchangeable life. I am not excluding myself, my existence is as fragile too, but I am aware about it. Consciousness is the first step to inner peace. That is what I am striving for. Inner peace by any means. Many demons are fighting in me and the only way to calm them and regain strength is through the manifold soundscapes of the black arts. No matter if Black Metal or Dark Ambient: Music is my remedy. I have no hopes for the future, for my views on life will not turn positive for sure (and even more less with this musical alignment), but thinking about the future and its sense I think about recording at least two more albums with Membaris. The music of this band is the only thing in my life which is NOT unimportant.
Thinking about his band Membaris, Boreas feels even kind of schizophrenic from time to time. "Somehow I am glad the chapter "Into Nevermore" is closed. On the other hand I am angry about this taking so long. Sure, I am satisfied with the finished album, but even the atmosphere on this one does not express what we are capable of. I have a shitload of demo-recordings here, and these are really dark and intensive. I am really keen on bringing these visions to life. The fact that all three members write songs leads to the feeling that we have to absorb things the whole time. But, market mechanisms are holding us back. As I said in other Interviews: The songs on this album originate from a time period from 2001 to 2004. I would rather enter studio to record our coming work "Crossing The Borderline Of Event Horizon" today than tomorrow, but it will hardly be possible that fast."
Kraal feels more comfortable: "I finally feel strength and unity between us three individuals; I am relieved to hear my visions and thoughts at last."
Many things have changed in the German Black-Metal scene over the past years. When asked about the development of Membaris, Kraal responds as follows: "You can't call that a scene here, only here and there some black figures. Except for Weird Fate there is no Black Metal band here which could be taken serious. " Boreas: "We have always been very self- focused and did not care for the scene, its scandals and trends. My ex-girlfriend, who has been or still is very strongly involved gave me a kind of cultural shock these days. All of a sudden bands were mentioned which I have never heard of before. The discourse has changed, too. In my opinion the scene has manoeuvred itself into a dead end and tries desperately and through ridiculous measures to get out of it. The scandalous appearance of some people relates very strongly to the lack of inspiration of their music. Yeah, sure it is fun to have someone cut his flesh to the bone on stage, but who cares if the music has nothing to say? These apes who take Black Metal just for provocation can not understand that it is the musical, the transcendental fanaticism that surpasses the real one by far. I buy a newspaper if I want scandals and violence. That is cheaper and more extreme than everything the Black-Metal scene will ever achieve."
When asked about his views towards the German Black-Metal scene, an astonished Boreas replies: "Are you kidding me? I am glad if I manage to perform the next Membaris- gigs without puking. There are some people who support us and who value our music. We stay away from the rest of the scene."
We begin talking about the tiresome and ridiculous sujet MySpace. Boreas presents his view in an interesting way: "Yeah, a raging discussion. At first I liked the idea of there being a meta-level for bands presenting themselves without economic restrictions. But I quickly came to the conclusion that MySpace is like poison to the underground. Black Metal must never become "User Generated Content", this equals downfall. These days music is easy to get and has, like for example an inflation, lost its value. Tons of musical and visual input is crushing down on the user. He becomes stuffed, decadent and tired. Furthermore now, everyone wants to present himself there. But should everyone be allowed? Once there was a selection through labels. Something with heart, something good and likeable got financial support. Nowadays no band needs to go through this test of quality and this can only be bad. A platform like MySpace makes, in my opinion, only sense for nonconformist, vanguard bands, whose art would never be supported through labels. In other respects these liberality, no matter in which situation of life, is always bad. We will delete our site at this "community" in the near future.
We continue to talk about the subject Black-Metal trend; as Membaris' music might be categorised as such by superficial consumers. Kraal states: "I have never thought about trends though they clearly exist. Black Metal has been deeply rooted in me since I first heard it."
For Boreas this trend has long since vanished into oblivion. "Same as Death Metal. Stop crying, for that's the way it goes. I guess there is no musical style which has been worn out so much like Black Metal. Obviously you might ask: "And you? What is your point in releasing albums if everything is dead already?" Good question, and we have asked ourselves this question before recording "Into Nevermore". Answer: We value our music. Who ever wants to be part of it buys a CD (Yes, there might be people outside who still BUY CD's) and who does not just leaves it be. But important for us is the fact that we do not weaken German Black Metal by the release of this album, on the contrary: we want to boost it."
"Success does not come with increasing fame", explains Kraal. "I do not give much on that. More important is to celebrate this music together with my brothers. Even little success can spoil you- better to stay close to the ground."
Boreas adds: "To me, success is: My fellow band members appreciating my songs and working with devotion on them. It can also be success when outstanding people, whose work you admire yourself, praise your work- this happened with Renaud Tschirner from Elend. Everything else which can be commercially quantified should not be defined as success. And less so in the German Black-Metal scene anno 2007. Under commercial aspects we are an extreme unsuccessful band and I think we are going to stay like that forever."
Kraal has improved his own style of playing bass: "I have become much better in expressing my feelings through the music. The whole band has become more atmospheric and that has developed a strong interest for the cosmos and for the chaos within me."
Boreas gives more in-depth information: "Our last releases, "Into Nevermore" included, were not very innovative so to speak, we have not really done something new. It was good and with an individual touch, but nothing new. But we are going to enter new, darker terrain with "Crosssing The Borderline Of Event Horizon" Not only our songwriting has improved- on this monumental opus we are going to experiment more with ambient- sounds. It is going to be a disturbing journey to the event horizon. Prepare for something unfriendly, something cold and spherical."
Many questions regarding the musical influences and inspirations were cut down short by Boreas: "Important bands have been Abigor, (early) Setherial and Adversam. I can not say how they influence our music today. We sound different."
Big differences between the latest album and the earlier songs are hard to explain for the guitar-player as well. "This is really hard to tell, for every song is different and independent. Therefore you can not easily tell the difference between our former outputs. The step to the third album will be much more obvious. I would like to say that "Into Nevermore" is much more professional, not only the great sound, but the outstanding visual arrangement is much better than before. There were some minor mistakes on "Poetry of Chaos" which were a result of our amateurism at that time. Nevertheless do I like this album for there are some good songs on it."
Luckily, Membaris had no big problems to find their present label. "In 2005 we had a gig with Morrigan and Asaru in the Steinbruchtheater in Darmstadt. There, label owner Kai must have got interested in us and so he contacted us. After finishing business with this other label, everything went really quick and I guess ARTicaz is the right place for us. It is a whole new experience. His engagement is really great," explains a satisfied Boreas.
When asked about a specific motivation to create this expressive Black-Metal, Boreas has no idea. "It is just the music we play best and which mostly resembles our negative and pessimistic views- There is no more to say, really"
Asking about the private life of Boreas I get no answer. "What I do in everyday life is of no concern. But music is my companion all the time. Sometimes it pulls me down and spits on me, another time it gives me inner peace and relaxation. Up and downs for the state of mind. Not to mention the health of my ears: I seem to have a bad tinnitus which won't go away. Nice views for the future," he adds ironically.
But real nice views on the future are provided by the art of brewing beer in Germany. Boreas lives in Bamberg mostly these days, and this seems like a place to be: "If you are interested in beer you should know that having nine high-quality breweries makes Bamberg kind of the capital of beer, the mekka for booze-heads with a certain level. I am personally convinced that the best beer in the world is brewed here. I suggest you try Zirndorfer, Fässla and under some aspects Mahrs. Something extraordinary is Schlenkerla, a beer with the taste of smoke. Though treatment with the smoke of burning beechwood it gets a fresh, smoked aroma renowned in the whole world. I do not drink high-percent alcohol anymore because I lost control once too often."
Talking about heavy drinking I wanted to steer the conversation towards drug misuse. I liked to know what Membaris thinks about it. In my opinion drugs are the necessary selection, through which the "bad" put themselves to death. An interesting view for Boreas, who answers: "You seem to legitimate your misanthropy (provided you have such feelings) through the aberrations of globalisation. Every society, every age has their drugs. This is as human as war. Just think of America and the pathetic effort of the government to prohibit alcohol. The "modern" drugs have become an aspect and part of social life. Life has become faster and more hectic and so have the drugs. I am not sure if you should view death and the decay of the greater mass of consumers of chemical drugs as a vendetta of nature against humanity. But I must say I am in a high mood when I spot one of this human drug wrecks. The strength of decay manifesting in the human body, their sad and hopeless eyes- it is like a trance for me. Life and death lie not far away from each other here. But yes, obviously you are right, if one is not strong enough for this he deserves death. It is a form of selection. On our next output there will be a song called "Only Ruins Remain", dealing with exact this topic."
And of course we had to talk about the "honest, selfless and venerable" Christianity. Before this resolute and perfidious instrument of might was forced onto humanity and the former people of nature and their religions were erased for a gigantic price of blood, they were praising mother earth with reverence. Now, in modern times, they pollute nature with all their power. How is that going to end? "We have reverence for nature. And even if this sounds like Black- Metal cliché: We have been to the woods often to absorb their magnificence. Christianity does not interest me. It is doomed for it has rejected violence as an instrument of might. What provokes me more is Islam. But I hate most religions, except for Buddhism maybe. It makes me sad to see nowadays Black- Metal scene rot in front of their PCs and Internet instead of building a serious, anti-religious movement. The lights which flared in Norway years ago were only symbols. And even if the Black-Metal scene is retarded there seems to be one motto which all can agree on: Black Metal is war. These direction would make sense and I would join in the front rows."
The album-cover of "Into Nevermore" and the graphic arrangement of Membaris' logo with the metaphoric roots shows explicit connection with nature. So I wanted to know what the lyrics on the latest album are all about and where the interest in their subjects came from. "Some were visions, maybe subconscious wishes. Some were born from inner pain. "Rabenhorst" for example describes a situation, a natural phenomenon which no one except me can understand. I won't tell a single word about the text of "Shades". Feel free to seek the meaning in the lyrics for yourself, I do not want to say anything about it," ends Kraal.
Boreas does not write lyrics, being a guitar-player he uses riffs as a form of expression. He tells me: "When the brother of our singer died on the second day of the recordings, he decided quickly to dedicate the text of "Shades" to him. What made him do that I can not tell; I can not know that and we do not speak about it."
So, how about Membaris on stage? And what is there to tell about future live activities ?
Bass-player and vocalist Kraal downright celebrates their live performances. His eyes begin to glow as he speaks: "For about forty-five minutes I ascend to heights to where no one may follow, except for my brothers I think."
Boreas takes live performance as an ecstatic experience, "but at first we had to learn to show that live. At the beginning we were quite introverted because we did not like fake poses. And people had difficulties at first, because they did not know how to respond to this. Now I mostly feel good, even with the knowledge that our music may be too complex for the majority of the crowd. Nevertheless I do not want to be one of this guys putting their head in the sand, who never go out and rather sit in front of their computers fumbling around with electronic drumming. On a concert all this strange emotions are set free for everyone to feel. Information on when and where we are going to perform live you will find on our Internet-page www.membaris.de. But we have to pause in winter; our second guitar-player and me are going to live in the Scandinavian respectively the Baltic region for some time."
Kraal adds: "There is no specific goal, what shall happen will happen. Could you call that fate? We do what we want to do."
"The next big project of Membaris is, like mentioned above, "Crossing The Borderline Of Event Horizon," so Boreas. Even the thought of this Opus makes him dizzy, he tells me honestly: "I hope it will give me inner peace. If everything goes as planned we will release it at the end of 2008."
Finally, I am interested in the strangest question these guys were ever asked in an Interview- Boreas remembers a question of a mag from Serbia which wanted to know why Mystic Circle are such a pile of shit. "I found this question quite strange. By the way, your former employer "Legacy " does not really cultivate an outstanding journalistic style too... Thanks for the Interview- an interesting exchange and worth the effort."
Markus Eck - Boreas/Kraal
(02.07.2007)
A big hail goes to Tentakel Parkinson, drummer of the mighty Todtgelichter, for the translation of the interview.
Boreas
close interview
1. Hail! Your newest record "Into Nevermore" has been finally published. What is the reason for the huge delay? It seems that there appeared some problems with Black Attack?
Boreas: Hail Marko! Good to hear from you again. Yes we had trouble with our former label but I won't go into to much detail. All I have to say to labels/magazines and bands: Don't cooperate in any way with this criminal company and have trust in your own force!
2. Could you compare your debut "Poetry of Chaos" and "Into Nevermore"? There are some strong connections between them, but also there are some noticeable differences.
Boreas: Concerning the songwriting they are quite familiar because the material of "Into Nevermore" was written in almost the same period of time as the debut. The most obvious difference is in my opinion the sound as the new opus was recorded in a professional studio whereas the debut came to live in some kind of a rehearsal room.
The music is also tighter and more aggressive and with "Als der Himmel sich öffnete" we tried even some new "epic" vocals. Also the sporadic use of keys and acoustic instruments is new. All in all I am quite confident with the result because the anger, melancholy and pride on this record are to 100 percent authentic. In terms of musical darkness we will make a big step forward with "Crossing the Borderline of Event Horizon", our third album which is already in our mind and ready to be recorded.
3. Some of your new tracks are really complex: There are many parts, sometimes you go very fast, and then suddenly you slow down with atmospheric and acoustic parts. So, is it hard to compose/record long songs with many different variations like "Red Rain (Bleeding Sky)"?
Boreas: In nearly all reaction from the critic I read that we became "complex" and "chaotic" what I can't really understand. I don't think that we are a progressive band.
Concerning "Red Rain": You need a good and tight drummer who is able (even without klick-track) to play his part of such a fast track. If the drums finally are recorded it is not too hard to get the recording to a satisfying end. Luckily Obscurus is a fucking machine and therefor it was no big deal.
4. Your music stands between Scandinavian influences and stuff like Abigor and Lunar Aurora. Is this something that you've intended or did it just happen without any direction?
Boreas: Well I am a bit offended by your words, hehe. Of course we like these bands but our main goal is an own identity and I think we have managed to reach such an own character...maybe we should be seen as the band "not possible to be distinguished into categories"? Abigor and Lunar Aurora are gods and honestly we have not reached such musical ingenuity yet...but you know what? We will try and we will succeed. "Into Nevermore" is just the tip of the iceberg. We are far away from our musical and atmospheric borders.
5. Your lyrics are not so usual for BM bands. Emotional aspects and views are the most important, but it seems that you still focus yourself on some "negative" emotions.
Kraal: Negative feelings follow disappointments. Last years I received quite a lot of scars (private as well as "business"-like). It is often the case that I need several month to understand the meaning of my own words and personal thoughts. Sometimes, while writing lyrics, I am in a condition of deep-rooted depression. But from time to time I am just driven by cold, calculated hate. I will not talk more about my inner demons...
7. Both of your covers are black and white. The same goes for the booklet. Do you plan for some next release to make a full-colored cover?
Kraal: Try to visualize the lyrics of the title-track in your mind and you will see, that the cover-artwork fits in perfectly .
Boreas: If you view more precisely to the new booklet you may discover some weak colors like green and brown. The black/white-stuff just fits very well to the cover which shows a dead stub with the countenance of an old man. The photo was taken in the near of our homeland and fits in very well with the atmosphere of the music I think.
The picture was also taken due to the concept of "Into Nevermore" which is based on fugacity, anger, pride and human decadence.
8. Also, you pay a lot attention on your look (corpse-paint, woods...). So, it seems that the image is very important.
Kraal: I don't care what people might think about our "image". This is our world and only few people have access to it. Image seems to be very important to any kind of scene but we never thought about our appearance. A certain image will (for us) never be as important as the deep black , far feeling,- the perfect interplay of fire and coldness.
Concerning nature: The nature surrounding us is by far more valuable than human being. We exploit mother nature and spit on her, coeval we call ourselves the top of the creation, the rulers of cosmos. WE ARE FUTILE! No exceptions. Chaos and cosmos. I create and devastate.
Boreas: We don't use the classic corpse paint. What you see in the booklet and when we enter the stage is a mask made of cast. The mask is connected to the face on the cover of "Into Nevermore". Our appearance reflects our will not to show any emotional impulse whether positive or negative (concerning the face). It also reflects our yearning to achieve a new inhuman existence (spiritual-wise).
9. Aside that you are a fan of BM music, but do you listen to other musical styles? When I listen to your records I can find some strange influences, but I am not pretty sure from where they come from.
Boreas: My (blood)-brothers are quite conservative in their musical taste. I am however a big fan of dark ambient-music like that projects on the Swedish cold meat industry-label. Desiderii Marginis have created brilliant soundscapes of pure isolation and blackness. I love ambient because it is not bounded by the devices of traditional "rock" or metal music. Also I like the underground character of this music. There are no boundaries, no scene, no "lifestyle". I really don't like this new "ambient-BM"-trend (yeah, it is a cheap developing and the bands suck!). I am committed to the true acts like Polygon (Ger), Desiderii Marginis and M.Z. 412. This is the real downfall of beauty and happiness!
It is impossible to hear such influences on "Into Nevermore" but in the next work "Crossing the Borderline of Event Horizon" we will (as the title may assume you) try to unleash a nightmarish journey through the deepest regions of our souls. We will work together with a very talented ambient-artist to combine his music with our destructive BM.
10. At the moment you're on a label called ARTicaz Records. This is actually a totally new record label in the scene, so could you introduce us with their work a little?
Boreas: ARTicaz Rec. Is a new created, small but effective German Black Metal-label connected to the more Death Metal-related Musicaz. Somehow we got contact with Kai (the owner) and decided to work together. ARTicaz by far is not as big as Black Attakk (fuck I swore never ever to say this name again) but much better. They really do a great job. If you are into the stuff support them by not downloading but buying the album.
11. You like to play live, but how many times are you able to have a show per year? Also, if I am well informed, you haven't played so far outside Germany. Would you like to?
Boreas: Sometimes we like to play live but I hate bands that are playing every weekend. It has to remain exclusive. Otherwise your live-appearance will become "musical fast-food". We play maybe five times a year. Sure we would like to play outside Germany but touring is quite expensive for the organizer and Membaris is by far not big enough to attract a sufficient amount of visitors. But we will survive this fact! ; )
12. Well, that is all for now. I wish you all the best in your further carrier.
Thanks Marko. Good luck for your work with the magazine and the TV-project.
A big hail to your local extreme metal scene. Bound yourselves to the dark and hideous style of live.
Marko Miranovic - Boreas/Kraal
close interview
Legacy: Seit "Poetry of Chaos" ist für Freunde eurer Musik eine zu lange Zeit vergangen. Möchtet ihr zu diesem von euch nicht verschuldeten Sachverhalt noch einmal Stellung beziehen?
Boreas: Eigentlich nicht. Wir haben uns in der Vergangenheit so sehr über diese Sache geärgert, dass ich jetzt keine Energie mehr darauf verschwenden will mich dazu zu äußern. Wen die Geschichte interessiert, der wird im Internet fündig. Weltliche Umstände oder irgendwelche asozialen Versager haben keine Möglichkeiten diese Band zu stoppen.
Wir haben jetzt in ARTicaz ein kleines aber sehr engagiertes Label gefunden, mit dem wir in Zukunft zusammenarbeiten wollen.
Legacy: Eure Stücke sind komplexer und versierter geworden. Offensichtlich habt ihr viel Zeit zum Feilen an "Into Nevermore" verwendet. Viele Songs haben eine anfangs schwer überschaubare Struktur, die sich erst bei mehrfachem Hören offenbart. Ist dies ein gewollter, wichtiger Aspekt des Albums?
Boreas: Ich kann keinem deiner Punkte wirklich zustimmen. "Winter Night" ist das einzige Stück, das beim ersten Mal etwas chaotisch scheinen mag, da es eine Hommage an die frühen Setherial und deren "Nord"-Album darstellt. Ansonsten finde ich die Stücke eher eingängiger als noch auf "Poetry of Chaos". Wirklich gefeilt haben wir an den Songs kaum, da uns dazu schlicht die Zeit fehlte. Acht Tage sind für ein solches Album dann doch etwas wenig. Andrerseits blieb so der rohe Charakter der Stücke erhalten. Sie sind durch die hervorragende Arbeit, die die Produzenten im Ultraton-Studio verrichtet haben, jetzt zwar in ein massives Soundgewand gekleidet, repräsentieren aber trotzdem noch zu 100 Prozent Membaris und das heißt eben deutscher Black Metal, aggressiv, monolithisch und zutiefst authentisch.
Legacy: Euer Schlagzeuger weiß auch innerhalb gleicher Riffs die Rhythmik interessant und überraschend zu variieren. Dies scheint auch ein wichtiger Bestandteil eurer Definition von Black Metal zu sein.
Boreas: Er ist für mich persönlich einer der außergewöhnlichsten Drummer der nationalen wie auch internationalen Szene und ich bin unendlich stolz mit ihm nun schon seit acht Jahren Musik zu machen und ihn einen meiner besten Freunde nennen zu können. Er hat innerhalb von zwei Tagen ohne Fehler und meistens beim ersten Take seine Spuren eingetrümmert. Dabei wurden weder Trigger noch Klicks verwendet. Das Drumming ist musikalisch versiert aber trotzdem voller Wahnsinn, Raserei und tiefster Emotionalität.
Es gibt niemanden mit dem ich lieber diese Art von Musik spielen will, als mit meinen Brüdern in Geist und Blut. Beide sind auf ihre Art und Weise unglaublich talentiert.
Legacy: Gitarrentechnisch habt ihr euch auch ordentlich ins Zeug gelegt und beweist euer Können sowohl in der rhythmischen Spielweise, als auch durch schräge, hektische Strophenmelodien. Irgendwelche Einflüsse oder der pure vertonte Wahnsinn??
Boreas: Musikalische Einflüsse zu benennen finde ich immer schwierig aber wenn überhaupt dann wären es wohl Bands wie Tssatthoggua, Adversam, Abigor und evtl. noch Nagelfar die mich beeinflusst haben. Wir wollten aber nie solchen Bands nacheifern, sondern eine eigene Identität schaffen.
Ich muss generell sagen, dass durch die ganzen Verzögerungen "Into Nevermore" uns etwa auf dem Stand von 2003 repräsentiert. Die Songs sind alle schon ziemlich alt, da wir chronologisch vorgehen wollten. Verglichen mit anderen Bands finde ich nicht, dass die Song-Strukturen, zumindest was die Saiteninstrumente angeht, besonderes technisches Können zeigen. Es geht uns auch nicht darum Musikalität zu zelebrieren, sondern unsere tiefsten Emotionen, wie Hass, Verachtung, Stolz, Verzweiflung und in Teilen auch Glück.
Legacy: Mit dem Ultraton-Studio konntet ihr ja erstmals die Kapazitäten eines "großen" Studios nutzen. Wie gestaltete sich die Arbeit und seit ihr mit dem Resultat zufrieden?
Boreas: Wir haben fast ein Jahr lang nach dem richtigen Aufnahmetempel für "Into Nevermore" gesucht. Die kleineren Studios hatten den Vorteil, dass sie nicht zu teuer waren und wir Zeit zum experimentieren gehabt hätten. Allerdings mochten wir diesen Crust/Punk-Sound nicht, den es dort meistens gab. Bei den großen Studios wiederum sind wir auf völliges Unverständnis bezüglich unseren Vorstellungen gestoßen. Diese Leute hatten keine Ahnung von Black Metal und konnten nicht verstehen, dass wir ohne technische Hilfsmittel und nur wenig digitaler Technik arbeiten wollten. Nach endloser Suche haben wir dann in Alex aber doch noch jemanden gefunden, für den die Wünsche der Band an erste Stelle stehen. Ich halte das Ultraton neben dem Stage One für das beste deutsche Tonstudio.
Die Aufnahmen waren trotz Zeitdruck zu Beginn relativ entspannt. Allerdings überschattete der Tod von dem Bruder unseres Sängers die Arbeit. Wenn ich heute noch daran denke wie er in der Kabine stand und "Shades" einkreischte, das Stück das wir schließlich als Widmung an diese Person nutzten, läuft mir heute noch ein Schauer über den Rücken. Dieses Ereignis hat "Into Nevermore" einen ziemlich morbiden Charakter verliehen.
Legacy: Welches Konzept, welche Triebfeder liegt "Into Nevermore" zu Grunde?
Boreas: Es gibt kein wirkliches Konzept in dem Sinne, dass wir uns hingesetzt und etwas am Reißbrett entworfen hätten. Wir sind uns der Sterblichkeit unserer fleischlichen Hülle bewusst und unsere Musik repräsentiert die Anstrengung irdische Energien in etwas Höheres, Transzendentes zu Verwandeln.
Ich beschäftige mich nicht viel mit Philosophie, da sie mein Denken behindert. "Die Geburt der Tragödie" von Nietzsche hat mich aber sehr beeindruckt und dient mir bis heute als Schlüssel zu meinen Empfindungen über Musik.
Es geht dabei, um es kurz zu machen, um die Abgrenzung von apollinischer und dionysischer Kunst. Apollinisch sind die Künste der scheinbaren Schönheit, wie Literatur oder Malerei. Als dionysisch werden solche Ausdrucksarten bezeichnet, die den Rezipienten in einen Rausch der vollkommenen Auflösung versetzen, in einen Zustand wo Moral und Rationalität keinen Platz mehr haben. Genau so sehe ich den Black Metal der mir etwas bedeutet.
Die gelebte Ekstase hilft mir als Fatalist der Versuchung transzendenter Entitäten wie Gott oder irdischen Versuchungen wie das Verlangen nach Statussymbolen zu widerstehen und trotzdem ein stolzer Mensch zu sein.
"Into Nevermore" ist das erste Kapitel dieser Reise. Es ist unsere persönliche Götzendämmerung.
Legacy: Wie schätzt du selbst eure bisherigen Veröffentlichungen ein?
Boreas: Nun ich muss zugeben heute angesichts des Sounds von "When darkness reigns..." (Demo) ein wenig schmunzeln zu müssen. Mir gefällt aber die Vorstellung als Band einmal ein Demo auf einem analogen Vier-Spur-Gerät aufgenommen zu haben.
"Poetry of Chaos" hat sehr gute Stücke die düster sind und nach vorne gehen. Konzeptionell war es aber eine Veröffentlichung, die zu sehr an Black Metal-Klischees angelehnt war. Darüber hinaus waren die Aufnahmebedingungen ziemlich schlecht und wir hatten von nichts eine Ahnung, was dazu führte, dass sich leider ein paar Spielfehler eingeschlichen haben. Trotzdem bin ich auch auf dieses Werk, wie auf alles was wir machen, stolz und Stücke wie "Planetary Rites" und "Suicidal Melancholy" höre ich mir auch heute noch gerne an. An dieser Stelle möchte ich dem DarkBound noch mal für den Einsatz aufrichtig danken!
"Into Nevermore" ist sicherlich das Beste unserer bisherigen Discographie. Wir haben es zum ersten Mal geschafft unter einigermaßen professionellen Bedingungen aufzunehmen. Es liegt jetzt an den Kritikern und "Fans" dieses Werk zu beurteilen.
Legacy: Eure Texte schreibt ihr, wie in der Vergangenheit, sowohl in deutscher, als auch in englischer Sprache. Wie entscheidet ihr das im Einzelnen?
Boreas: Ein Titel wie "Rabenhorst" wäre in englischer Sprache nicht möglich, da er ein tiefes Empfinden nach einer Naturerscheinung beschreibt. Man kann sich besser in seiner Muttersprache ausdrücken, wenn es um nicht ganz einfache Gefühle geht. "Into Nevermore" hingegen beschreibt einen rituellen Selbstmord wobei die "plakativen" Teile des Textes in Englisch verfasst wurden und die resignative und versöhnende letzte Strophe in Deutsch erscheint. Es ist wie immer eine Sache des Bauches und hat keine größere Bedeutung.
Legacy: Gerade mit erstgenanntem ist euch ein geniales Stück gelungen, welches durch seinen simpleren, aber ungemein vehementen Charakter wie ein wütiges, tobendes Monster daherkommt. Hoffentlich ein Kandidat für ein live zu spielendes Stück?
Boreas: Also wenn ich wählen müsste wäre dies musikalisch mein letzter Favorit, eher das epische "Als der Himmel sich öffnete". Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.
Wir haben das Stück in der Vergangenheit öfters Live gespielt, da es durch seinen einfachen Charakter immer gut ankam. Aber es ist nicht unser Anliegen irgendwelche Wünsche zu bedienen. Wenn jemand auf ein Konzert geht um Lieder mitzusingen oder im Takt zu Schunkeln, dann soll er sich eine dieser unzähligen Rock' n Roll Bands à la Capathian Forest reinziehen. Punk und Rock' n Roll Elemente sind für mich nur eine weitere Form der Kommerzialisierung und Abstumpfung dieser Musikart. Das ist nicht unsere Vision von Black Metal. Genau so wenig die lächerlichen "Hey Hey"-Rufe bei Live-Konzerten von bestimmten "Black"-Metal Bands. Diese Musik ist nicht dazu da verstandesmäßig genossen zu werden. Entweder man fühlt die Atmosphäre oder man fühlt sie eben nicht. Ein Membaris-Konzert ist eine Darbietung von Wahnsinn, Raserei, Hässlichkeit und stolzer Schönheit in einem. Von uns gibt es keine Rock-Rhythmen, "Hey"-Rufe oder ein "Danke Schön" für den Applaus. Ich weiß nicht wie es meine Brüder sehen aber ich hasse in dem Moment wo ich auf der Bühne stehe das Publikum. Ich bin mit mir selbst auch noch nicht so im Reinen, ob diese Musik überhaupt live gespielt werden sollte, denn wenn man Black Metal und seine Intention ernst nähme, müsste jeder Gig in einem blutrünstigen Massaker enden.
Legacy: Gab es denn in der Vergangenheit Probleme mit anderen Bands oder Veranstaltern? Welchen stellenwert nehmen Live-Konzerte für euch ein?
Boreas: Live-Konzerte sind ein Aspekt aber für uns bei weitem nicht der wichtigste. An erster Stelle kommt der kreative Prozess, das Arrangieren, gemeinsame Proben, Meditation und schließlich die Aufnahme und Rezeption. Wenn das Angebot gut ist, die Bands interessant sind und die Location einigermaßen ansehnlich dann spielen wir aber meistens auch. Dabei reichen uns eine handvoll Konzerte im Jahr. Wir müssen nicht jedes Wochenende den Leuten unsere Musik zum Fraß vorwerfen.
Ernsthafte Probleme mit anderen Bands hatten wir bis jetzt nicht und es ist uns auch klar, dass man bei gewissen Kandidaten Backstage kein Kaffeekränzchen zu erwarten hat. Obwohl wir ganz bestimmt keine proletenhaften Provokateure sind finde ich es eigentlich gut wenn Bands auch das leben, was sie mit ihrer Musik verkörpern. Black Metal ist hässlich und muss aufregen. Wir würden niemanden grundlos angreifen, aber wenn man uns auf die Füße tritt wissen wir uns zu wehren.
Legacy: Was bringt die Zukunft?
Boreas: Wir werden die nächsten Monate ein paar Konzerte in ganz Deutschland spielen um "Into Nevermore" live zu präsentieren. Des Weiteren wollen wir versuchen mit unserem neuen Label den Rückstand an Veröffentlichungen etwas aufzuholen. Das heißt konkret, dass wir uns noch dieses Jahr an die Veröffentlichung einer Split oder Mini-CD machen, für die das Material bereits aufgenommen wurde. Die Songs sind rauer, mystischer und sicherlich atmosphärisch das bisher beste was wir gemacht haben. Ab August werden unser Session-Gitarrist und ich für einige Zeit im baltischen beziehungsweise skandinavischen Ausland leben, während der Rest mit den Aufnahmen zu "Crossing the Borderline of Event Horizon", unsererm dritten Album, beginnen wird.
Ich fieber diesem Mammutwerk entgegen, da die Stücke eine viel reifere und emotional gefestigte Band zeigen wird. Ich habe tiefe Ehrfurcht vor dem Material.
"Into Nevermore" ist in meinen Augen ein großes Album, aber es gleicht eher einer kleinen Sturmböe, einem Türspalt Licht der Eindruck in die Dunkelheit gewährt, verglichen mit dem was wir auf "Crossing the Borderline of Event Horizon" erschaffen werden. Ich mag wie ein Großmaul klingen aber ich bin nun mal selbst wahrscheinlich der größte Fan dieser Band und ich denke wir werden es schaffen diesen Worten auch Taten folgen zu lassen.
Ich hoffe, dass es das Album sein wird, welches mir innere Ruhe schenken kann.
Stefan Paul - Boreas
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